Seit 1993 fährt Österreichs bekannteste Klassikerrallye gegen versteckte Zeitnahmen statt gegen die Stoppuhr. Was Gleichmäßigkeit verlangt und wer dabei gewinnt
Patinamore-Redaktion · 20.09.2026 · aktualisiert 20.09.2026
Vier Sätze zur Ennstal-Classic
- Gefahren wird auf Schnitt, nicht auf Zeit. Versteckte Kontrollen prüfen, ob ein Durchschnitt von höchstens 50 km/h gehalten wird.
- Helmut Zwickl und Michael Glöckner haben sie 1993 gegründet, mit 30 Teams. Heute stehen rund 200 historische Automobile am Start.
- Die 35. Ausgabe läuft vom 21. bis 24. Juli 2027 und lässt erstmals Fahrzeuge bis Baujahr 1976 zu.
- Am letzten Tag fährt das Feld den Demo-Grand-Prix in Gröbming, vor Publikum an der Straße.
Es klingt wie ein Widerspruch: eine Rallye, bei der zu schnelles Fahren bestraft wird. Genau daraus lebt die Gleichmäßigkeit. Nicht die Leistung entscheidet, sondern die Fähigkeit, über sieben Kilometer exakt den Schnitt zu halten, den das Roadbook nennt, ohne zu wissen, wo gemessen wird.
Woraus eine Gleichmäßigkeitsprüfung besteht
Zwei Menschen, zwei Aufgaben. Einer fährt, einer rechnet. Das Roadbook nennt Abschnitt für Abschnitt den Schnitt, die Uhr läuft, und irgendwo dazwischen steht eine Lichtschranke. Bei der Ennstal-Classic liegt der Schnitt bei höchstens 50 km/h, was nach Spazierfahrt klingt und es auf einer Passstraße nicht ist.
Der Reiz dabei: Ein serienmäßiger Wagen ist so gut aufgehoben wie ein Sportwagen. Gewonnen hat, wer seine Sekunden im Griff hat.
Wie aus 30 Teams ein Feld von 200 wurde
- 301993
- 2002027
Als Tabelle
| Jahr | Fahrzeuge am Start |
|---|---|
| 1993 | 30 |
| 2027 | 200 |
Der Motorsportjournalist Helmut Zwickl und Michael Glöckner, damals Tourismusdirektor in Gröbming, haben die Veranstaltung 1993 aus der Idee heraus gegründet, Motorsport so zu fahren wie früher. Aus dem Versuch wurde eine der bekanntesten Klassikerrallyes Europas, mit vier Tagen durch die Steiermark und dem Demo-Grand-Prix in Gröbming am Schluss.
Was die vier Tage ausmacht
| Kriterium | Was dahintersteht |
|---|---|
| Termin | 21. bis 24. Juli 2027, die 35. Ausgabe |
| Zugelassen | Fahrzeuge bis Baujahr 1976, erstmals ein Jahr weiter als bisher |
| Feld | Rund 200 historische Automobile aus ganz Europa |
| Wertung | Versteckte Zeitnahmen, Schnitt höchstens 50 km/h |
| Höhepunkt | Der Demo-Grand-Prix in Gröbming am letzten Tag |
Für wen sich der Start lohnt
- Das Ehepaar mit VorkriegswagenEin Feld, in dem Alter kein Nachteil ist, und Straßen, die dafür gemacht sind
- Der Rechner auf dem BeifahrersitzDie Disziplin, in der seine Arbeit über das Ergebnis entscheidet
- Der ZuschauerEinen Tag in Gröbming, an dem das ganze Feld an der Straße vorbeifährt
- Der TempojägerNichts, worauf er hofft: Wer zu früh ankommt, verliert
Was du mitbringen solltest
Vor allem Geduld beim Üben. Eine Gleichmäßigkeitsprüfung lässt sich auf jeder Landstraße trainieren: Schnitt vorgeben, Strecke abstecken, Zeit messen, wiederholen. Wer das ein paar Mal gemacht hat, merkt schnell, dass die Kunst nicht im Gasfuß liegt, sondern im Ausgleichen der Kurven, in denen man verliert.

Foto: Matthieu Rochette · Unsplash License
Quellen
Was Einsteiger zur Gleichmäßigkeit fragen
Was heißt Gleichmäßigkeit genau?
Das Roadbook gibt einen Schnitt vor, den ihr über einen Abschnitt halten sollt. Irgendwo dazwischen steht eine Zeitnahme, von der niemand weiß, wo genau. Wer zu früh kommt, verliert so viel wie der, der zu spät kommt. Bei der Ennstal-Classic liegt die Obergrenze bei 50 km/h im Schnitt.
Brauche ich ein besonders schnelles Auto?
Nein, und das ist der Punkt. Weil nicht die Bestzeit zählt, entscheidet die ruhige Hand. Der Gesamtsieg 2023 ging an Helmut Schramke und Peter Umfahrer in einem Jaguar XK150 von 1960, ihr vierter nach 2003, 2006 und 2012.
Welche Baujahre dürfen starten?
Lange galt Baujahr 1975 als Grenze. Für die 35. Ausgabe 2027 öffnet die Ausschreibung erstmals bis Baujahr 1976 und holt damit weitere Klassiker der Siebziger ins Feld.
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