Zwei Raketenleuchten auf jeder Flosse, 5,72 Meter Länge, 6,4 Liter Hubraum. Der Cadillac von 1959 war der Gipfel einer Mode, und schon 1960 ging es wieder abwärts
Patinamore-Redaktion · 12.10.2026 · aktualisiert 07.10.2026
Der 59er Cadillac in 4 Sätzen
- 1959 baute Cadillac die höchsten Heckflossen seiner Geschichte, mit 2 Raketenleuchten auf jeder Seite. Entworfen wurden sie unter Bill Mitchell, der 1958 Harley Earl als Designchef von GM abgelöst hatte.
- Unter der Haube ein neuer V8 mit 6,4 Litern (390 cui) und 325 PS, im Eldorado mit 3 Doppelvergasern 345 PS. 5,72 m lang, 3,30 m Radstand, 2,2 bis 2,4 Tonnen schwer.
- 142.272 Cadillac entstanden 1959, davon 70.736 der Series 62: 37.659 Limousinen, 21.947 Coupés, 11.130 Cabriolets. Die Series 62 kostete 4.892 bis 5.455 Dollar.
- Ein 59er Cabriolet brachte 2024 bei Barrett-Jackson 165.000 Dollar und bei Artcurial in Paris 128.562 Dollar; europäische Angebote liegen um 130.000 Euro.
Es gibt ein Auto, das jeder zeichnen kann, der noch nie eines gesehen hat: lang, flach, hinten 2 Flossen, auf jeder 2 rote Raketen. Das ist der Cadillac von 1959. Er war der höchste Punkt einer Mode, die 1948 mit kleinen Buckeln am Heck begonnen hatte, und er war ihr Ende. Schon 1960 nahm Cadillac die Flossen zurück. Geblieben ist das Bild.
So kam Detroit zu den höchsten Flossen seiner Geschichte
Die Flosse war eine Erfindung von Harley Earl, dem ersten Designchef von General Motors. 1948 setzte er dem Cadillac kleine Höcker ans Heck, inspiriert vom Jagdflugzeug Lockheed P-38. Jedes Jahr wurden sie ein Stück höher. Dann kam 1957 Chrysler mit Virgil Exners Forward Look: flache, lange Wagen mit hohen Flossen, die alles von GM alt aussehen ließen.
Die Antwort fiel 1959 aus, in dem Jahr, in dem Bill Mitchell Harley Earl als Designchef ablöste. Der neue Cadillac war niedriger, länger und breiter als sein Vorgänger und trug die höchsten Flossen, die Detroit je baute, jede mit 2 Raketenleuchten. Dazu ein Kühlergrill aus Chromperlen, Panoramascheiben vorn und hinten und bei den Limousinen ein Dach, das wie ein Flugzeugflügel über das Heck ragte.
Was unter 5,72 Metern Blech steckte
Der Motor war neu: ein V8 mit 390 cui, 6,4 Litern und 325 PS, im Eldorado mit 3 Doppelvergasern 345 PS. Davor saß die Hydra-Matic-Automatik, Servolenkung und Servobremse waren Standard. Der Wagen maß 5,72 m bei 3,30 m Radstand und wog je nach Aufbau 2,2 bis 2,4 Tonnen. Mit Klimaanlage, elektrischen Sitzen und Fenstern war er eines der am besten ausgestatteten Serienautos seiner Zeit, und der Tankwart freute sich über jeden Besuch.
| Baureihe 1959 | Aufbauten | Stückzahl | Preis |
|---|---|---|---|
| Series 62 | Limousine, Coupé, Cabriolet | 70.736 | 4.892 bis 5.455 Dollar |
| De Ville | Sedan de Ville, Coupe de Ville | eigene Serie ab 1959 | |
| Eldorado | Seville (Coupé), Biarritz (Cabriolet), Brougham | eigene Serie ab 1959 | |
| Series 60 Special, Series 75 | Limousinen | ||
| Alle Baureihen | 142.272 |

Darum endete die Mode schon ein Jahr später
142.272 Cadillac verkauften sich 1959, ein gutes Jahr. Trotzdem machte Cadillac die Flossen 1960 wieder kleiner, 1961 noch einmal, und 1965 waren sie verschwunden. Bill Mitchell wollte klare Linien statt Chrom, und die Käufer hatten das Spiel durchschaut: Jede neue Flosse machte den Vorjahreswagen alt, und das kostete Wiederverkaufswert. Dazu kam der Spott. Der Compact-Boom mit dem Chevrolet Corvair und dem Ford Falcon begann 1960, und wer 5,72 m Auto fuhr, galt plötzlich als gestrig.
Für die Nachwelt ist das ein Glück. Der 59er ist das eine Jahr, in dem alles zusammenkam, und genau deshalb das Auto, das in Filmen, auf Plattencovern und in Las Vegas für die 1950er Jahre steht.
Was ein 59er Cadillac heute kostet
Beim Cabriolet der Series 62 geht es sechsstellig los. 2024 brachte eines bei Barrett-Jackson in Palm Beach 165.000 Dollar, ein anderes bei Artcurial zur Rétromobile in Paris 128.562 Dollar. Händlerangebote in Europa standen im Oktober 2026 um 132.000 Euro. Limousinen und Coupés kosten deutlich weniger, weil es mehr davon gab und sie weniger Sehnsucht auslösen; der Eldorado Biarritz liegt deutlich darüber.
Worauf Käufer bei einem 59er achten
Der Rahmen ist ein X-Rahmen ohne Seitenschweller, und die Karosserie sitzt mit Gummilagern darauf. Rost findet sich in den Bodenblechen, an den unteren Kotflügelkanten, im Kofferraumboden und, am teuersten, in den Flossen selbst, deren Blech von innen gammelt. Chrom ist das zweite Thema: Der 59er trägt mehr davon als jedes andere Serienauto, und eine Neuverchromung aller Teile kostet einen Kleinwagen. Drittens die Vollständigkeit: Raketenleuchten, Zierleisten und Embleme gibt es nach, aber selten in der Qualität der Originale.
Fast jeder 59er in Deutschland kam aus den USA. Was dabei an Zoll, Steuer, Gutachten und Umrüstung anfällt, steht in unserem Beitrag zum Import aus den USA. Und wer schon einen fährt: Trag ihn in die Kartei ein. 5,72 m Auto brauchen auch 5,72 m Geschichte.

Quellen
Was Leser zum Cadillac von 1959 fragen
Warum hat der Cadillac von 1959 so große Heckflossen?
Weil Chrysler 1957 vorgelegt hatte. Virgil Exners Forward Look mit flachen, langen Wagen und hohen Flossen hatte GM alt aussehen lassen. Die Antwort kam 1959 unter Bill Mitchell: niedriger, länger, breiter, mit den höchsten Flossen, die Detroit je baute, und 2 Raketenleuchten auf jeder Seite. Schon 1960 machte Cadillac die Flossen wieder kleiner, bis 1965 waren sie verschwunden.
Welchen Motor hat der Cadillac 1959?
Einen neuen V8 mit 390 cui, 6,4 Litern und 325 PS. Der Eldorado bekam 3 Doppelvergaser und 345 PS. Dazu gehörte die Hydra-Matic-Automatik; Servolenkung und Servobremse waren Standard, Klimaanlage und Sitzverstellung Aufpreis.
Wie viele Cadillac wurden 1959 gebaut?
142.272 über alle Baureihen. Die Series 62, das Einstiegsmodell, kam auf 70.736 Wagen: 37.659 Limousinen, 21.947 Coupés und 11.130 Cabriolets. De Ville und Eldorado zählte Cadillac 1959 zum ersten Mal als eigene Serien.
Wie groß ist ein Cadillac von 1959?
5,72 m lang bei 3,30 m Radstand, 2,2 bis 2,4 Tonnen schwer. Zum Vergleich: Eine heutige Mercedes S-Klasse ist 5,18 m lang. Eine deutsche Garage von 1959 war für den Cadillac zu kurz, und viele von heute sind es immer noch.
Was kostet ein Cadillac von 1959 heute?
Für ein Series 62 Cabriolet in gutem Zustand sechsstellig. 2024 brachte eines bei Barrett-Jackson in Palm Beach 165.000 Dollar, ein anderes bei Artcurial zur Rétromobile in Paris 128.562 Dollar. Händlerangebote in Europa standen im Oktober 2026 um 132.000 Euro. Limousinen und Coupés kosten deutlich weniger, ein Eldorado Biarritz deutlich mehr.
Was zu „Cadillac 1959: das Jahr, in dem die Heckflossen am höchsten standen“ noch lesenswert ist
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