Am 6. Oktober 1955 öffnete der Pariser Salon, und auf dem Stand von Citroën stand ein Auto aus der Zukunft. 20 Jahre lang blieb es dort
Patinamore-Redaktion · 13.10.2026 · aktualisiert 07.10.2026
Die DS in 4 Sätzen
- Am 6. Oktober 1955 zeigte Citroën die DS auf dem Pariser Salon. In den ersten 15 Minuten lagen 743 Bestellungen vor, am Abend 12.000, am Ende der Messe 80.000.
- André Lefèbvre konstruierte sie, Flaminio Bertoni gab ihr die Form, Paul Magès die Hydropneumatik, die Federung, Bremsen, Lenkung und Getriebe mit einem Hochdruckkreis versorgt.
- Von 1955 bis zum 24. April 1975 entstanden rund 1,46 Millionen DS und ID, 1,33 Millionen davon am Quai de Javel in Paris. 1967 kam das mitlenkende Kurvenlicht.
- Am 22. August 1962 rettete die DS Charles de Gaulle bei Petit-Clamart: mit 2 zerschossenen Reifen fuhr sie weiter. Eine DS 21 Pallas im Zustand 2 kostet heute rund 22.500 Euro aufwärts.
Am Morgen des 6. Oktober 1955 öffnete der Pariser Salon seine Tore, und auf dem Stand von Citroën stand ein Auto, das aussah, als sei es gelandet. Keine Kühlermaske, eine Haube wie ein Tropfen, hinten schmaler als vorn, und es schwebte auf einer Federung, die noch niemand gesehen hatte. Nach 15 Minuten hatte Citroën 743 Bestellungen, am Abend 12.000, am Ende der Messe 80.000. Der Traction Avant von 1934 war Geschichte.
So entstand das Auto aus einer anderen Welt
Citroën hatte seit den 1930er Jahren an einem Nachfolger für den Traction Avant gearbeitet, unter dem Namen VGD, voiture à grande diffusion. André Lefèbvre, Flugzeugbauer und Konstrukteur des Traction Avant, führte das Projekt. Flaminio Bertoni, Bildhauer aus Varese, gab dem Wagen die Form: ein Tropfen mit Frontantrieb, Scheibenbremsen vorn, Kunststoffdach und Aluminiumhaube. Paul Magès, ein Autodidakt ohne Ingenieurstudium, entwickelte die Hydropneumatik.
Der Name war ein Wortspiel. DS klingt auf Französisch wie déesse, Göttin, und die einfachere ID von 1957 wie idée. Roland Barthes schrieb 1957, die DS sei sichtlich vom Himmel gefallen. Der Vergleich hielt sich 20 Jahre.
Darum schwebt die DS und fährt auf 3 Rädern weiter
Die Hydropneumatik ist ein Hochdruckkreis, der fast alles im Wagen versorgt. Eine Pumpe hält Öl unter Druck, an jedem Rad sitzt eine Kugel mit Stickstoff als Feder, und derselbe Kreis bedient Bremsen, Servolenkung und bei der DS die halbautomatische Viergangschaltung. Der Wagen hält seine Höhe unabhängig von der Beladung, der Fahrer stellt sie mit einem Hebel neben dem Sitz, zum Radwechsel hebt sich die DS selbst an. Mit einem zerstörten Reifen fährt sie weiter, auf 3 Rädern.
Genau das rettete am 22. August 1962 Charles de Gaulle. In Petit-Clamart schoss ein Kommando der OAS auf seine DS, die Kugeln trafen Karosserie und 2 Reifen. Der Fahrer gab Gas, die Federung hielt den Wagen in der Spur, de Gaulle und seine Frau kamen unverletzt davon. Der Präsident lobte den Wagen öffentlich, und Citroën sparte sich die Anzeige dazu.

Wie aus der DS 19 die DS 23 wurde
Unter der Haube war die DS am Anfang ein altes Auto: Der 1,9-Liter-Vierzylinder mit 75 PS stammte im Kern noch vom Traction Avant. 1965 kam die DS 21 mit 2,2 Litern und 106 PS, 1972 die DS 23 mit 2,3 Litern und 141 PS mit Einspritzung. 1967 bekam die DS ihr zweites Gesicht: 4 Scheinwerfer hinter Glas, die inneren lenkten mit der Lenkung mit. Kurvenlicht in Großserie, 1967.
| Stufe | Jahr | Was dazukam |
|---|---|---|
| DS 19 | 1955 | 1,9 Liter, 75 PS, Hydropneumatik, halbautomatisches Getriebe |
| ID 19 | 1957 | Die einfachere Schwester mit Handschaltung und weniger Hydraulik |
| Break | 1958 | Der Kombi, auch als Familiale mit 7 Sitzen |
| Cabriolet | 1960 | Von Henri Chapron, 1.365 Stück ab Werk |
| DS 21 | 1965 | 2,2 Liter, 106 PS |
| Zweites Gesicht | 1967 | 4 Scheinwerfer, mitlenkendes Kurvenlicht |
| DS 23 | 1972 | 2,3 Liter, bis 141 PS mit Einspritzung |
| Ende | 24. April 1975 | Die letzte DS läuft vom Band, der CX übernimmt |
Rund 1,46 Millionen DS und ID entstanden in 20 Jahren, 1,33 Millionen davon am Quai de Javel in Paris, der Rest in Slough, Belgien, Portugal, Südafrika, Australien und Jugoslawien. Die Rallye Monte Carlo gewann die DS 1959 und 1966.
Was eine DS heute kostet
Eine DS 21 Pallas im Zustand 2 minus bewertete ein Hamburger Händler mit 22.500 Euro Marktwert; Angebote in Deutschland reichen nach AutoScout24 von 27.500 bis 159.000 Euro. Die Spanne erklärt sich aus 20 Baujahren und 3 Welten: ID 19 mit Patina unten, DS 21 und DS 23 Pallas mit Lederausstattung in der Mitte, Chapron-Cabriolets und frühe DS 19 mit originalem Innenraum oben.
Worauf Käufer bei einer DS achten
Rost zuerst, und zwar am Rahmen: Die DS trägt eine Plattform, auf die die Außenhaut aufgeschraubt ist, und die Plattform rostet an den Längsträgern, den Wagenheberaufnahmen und am Übergang zur Spritzwand. Die schönen Kotflügel verraten davon wenig. Zweitens die Hydraulik: Frühe Wagen bis 1966 fahren mit rotem LHS, spätere mit grünem LHM, und beide Flüssigkeiten gehören streng getrennt. Ein System, das lange stand, braucht neue Dichtungen, Kugeln und Leitungen; wer das kann, findet in Frankreich jedes Teil. Drittens die Geduld: Eine DS, die seit Jahren in einer Hand ist und jedes Jahr bewegt wurde, ist das bessere Auto als jede frisch lackierte.
Mehr zur Baureihe steht im Porträt Citroën DS. Du fährst eine? Trag sie in die Kartei ein und führe ihr Fahrzeugbuch, mit jeder Kugel und jedem Liter LHM. Bei der Göttin ist die Wartung die Geschichte.

Foto: Arno Senoner · Unsplash License
Quellen
Was Leser zur Citroën DS fragen
Warum heißt die Citroën DS Göttin?
Weil DS auf Französisch wie déesse klingt, Göttin. Citroën hat das nie dementiert. Roland Barthes schrieb 1957 in den „Mythen des Alltags“, die DS sei sichtlich vom Himmel gefallen, ein Objekt aus einer anderen Welt. Die einfachere Schwester hieß ID, gesprochen wie idée, die Idee.
Was ist das Besondere an der Hydropneumatik?
Ein Hochdruckkreis für fast alles. Eine Pumpe hält Öl unter Druck, Stickstoffkugeln an jedem Rad federn den Wagen, und derselbe Kreis versorgt Bremsen, Servolenkung und bei der DS die halbautomatische Schaltung. Die DS hält ihre Höhe unabhängig von der Beladung, der Fahrer stellt sie per Hebel, und sie fährt auf 3 Rädern weiter. Paul Magès hatte das System entwickelt.
Wie viele Citroën DS wurden gebaut?
Rund 1,46 Millionen von Oktober 1955 bis zum 24. April 1975, je nach Zählung 1.455.746 oder 1.456.115. 1.330.755 entstanden am Quai de Javel in Paris, der Rest in Slough bei London bis 1966, in Belgien, Portugal, Südafrika, Australien und Jugoslawien. Dazu kommen 1.365 Cabriolets von Chapron.
Was passierte mit de Gaulles DS 1962?
Am 22. August 1962 schoss ein Kommando der OAS in Petit-Clamart auf den Wagen des Präsidenten. Die Kugeln trafen Karosserie und 2 Reifen, die Hydropneumatik hielt die DS in der Spur, der Fahrer gab Gas und brachte de Gaulle und seine Frau unverletzt davon. De Gaulle lobte den Wagen öffentlich; seitdem gehört die Geschichte zur DS.
Was kostet eine Citroën DS heute?
Für eine DS 21 Pallas im Zustand 2 minus rund 22.500 Euro Marktwert, so eine Bewertung aus Hamburg; Angebote in Deutschland reichen von 27.500 bis 159.000 Euro. Oben stehen späte DS 23 mit Einspritzung, Cabriolets von Chapron und frühe DS 19 mit Originalinnenraum. Eine ID 19 mit Patina ist der günstigste Weg zur Göttin.
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