Ein Admiral für 6.500 Reichsmark, ein Chevrolet-V8 aus Detroit, ein Coupé teurer als der Porsche 911 und eine De-Dion-Hinterachse, wie sie in dieser Klasse kaum jemand einbaute. Die Geschichte der großen Opel von 1937 bis 1977
Patinamore-Redaktion · 04.10.2026 · aktualisiert 04.10.2026
Admiral und Diplomat in vier Sätzen
- Der erste Admiral kam Ende 1937, mit 3,6-Liter-Sechszylinder und 75 PS für 6.500 Reichsmark. Bis 1939 baute Opel 6.404 Stück.
- 1964 brachte Opel die KAD-Reihe aus Kapitän, Admiral und Diplomat, auf Wunsch mit V8 von Chevrolet. Das Diplomat V8 Coupé von Karmann kostete 25.500 Mark, mehr als ein Porsche 911.
- Die B-Reihe ab März 1969 hatte eine De-Dion-Hinterachse. Ihre Stückzahl fiel von 17.777 im Jahr 1969 auf 1.754 im Jahr 1974.
- Am 1. Januar 2026 trugen in Deutschland noch 9 Diplomat A Coupés ein Kennzeichen, von 347, die Karmann gebaut hatte.
Opel hat drei Mal versucht, ein Oberklasseauto zu bauen, und jedes Mal hieß es Admiral oder Diplomat. 1937 forderte der erste Admiral Horch und Mercedes heraus. 1964 kam ein Diplomat mit V8 aus Detroit, dessen Coupé mehr kostete als ein Porsche 911. 1969 folgte eine Limousine mit einer aufwendigen De-Dion-Hinterachse. Gereicht hat es nie. Heute sind gerade diese Autos die interessantesten Opel überhaupt, und die seltensten.
So fing es 1937 mit dem ersten Admiral an
Ende 1937 stellte Opel seinen größten Wagen vor. Der Admiral hatte einen Sechszylinder mit 3,6 Litern und 75 PS, viel Drehmoment und eine Karosserie, die neben einem Horch nicht klein aussah. Die viertürige Limousine kostete 6.500 Reichsmark, das Cabriolet 7.000. Das war deutlich weniger, als Horch, Maybach oder Mercedes für vergleichbare Wagen verlangten.
Der Krieg beendete den Versuch nach zwei Jahren. Bis 1939 baute Opel 6.404 Admiral: 3.500 Limousinen, 2.314 Cabriolets und 590 Fahrgestelle für Karosseriebauer.

Darum bekam der Diplomat 1964 einen Motor aus Detroit
25 Jahre später versuchte es Opel noch einmal. Im Frühjahr 1964 kam die KAD-Reihe, benannt nach ihren drei Modellen: Kapitän, Admiral und Diplomat. Es war eine Karosserie in drei Rangstufen, und die Namen klingen bis heute wie eine Beförderung.
Der Kapitän war die einfache Version, der Admiral die mittlere. Ganz oben stand der Diplomat, und der hatte etwas, das kein deutscher Wettbewerber anbot: einen V8 von Chevrolet. Opel gehörte zu General Motors, also griff Rüsselsheim ins Regal in Detroit. Zuerst kam der 283er mit 4,6 Litern und 190 PS, dann der 327er mit 5,4 Litern und 230 PS, dazu eine Automatik. Der Diplomat lief damit über 200 km/h und brauchte weniger als 11 Sekunden auf Tempo 100.
Auch im Admiral gab es den V8, für 15.950 Mark. Bis November 1968 baute Opel 89.277 Wagen der KAD-A-Reihe.
Teurer als ein Porsche 911: das Diplomat V8 Coupé
Das eigentliche Kunststück der A-Reihe war zweitürig. Von Februar 1965 bis Juli 1967 baute Karmann in Osnabrück das Diplomat V8 Coupé, nur mit dem großen 5,4-Liter. Es kostete 25.500 Mark, ab April 1966 dann 26.000. Das war so viel wie sieben Käfer und mehr, als ein Mercedes 280 SL oder ein Porsche 911 kosteten.
Wer so viel Geld ausgab, kaufte meist doch einen Stern. Karmann baute 347 Coupés, eine polnische Quelle nennt sogar nur 304. So oder so ist es einer der seltensten Opel der Nachkriegszeit. Wer eines auf einem Treffen sieht, hat Glück gehabt.

Darum war die De-Dion-Achse des Diplomat B etwas Besonderes
Im März 1969 kam die B-Reihe, mit neuer Karosserie und einer Technik, die man bei Opel nicht erwartet hätte. Hinten saß eine De-Dion-Achse. Dabei hängt das Differenzial fest am Wagen, und nur ein leichtes Rohr verbindet die Räder. Das wog rund 20 Kilogramm mehr als eine Starrachse, senkte aber die ungefederten Massen. Der Diplomat B federte weich und lag trotzdem ruhig.
Der Diplomat V8 mit Automatik kostete im April 1970 21.556 Mark und war damit rund 35 Prozent billiger als ein Mercedes 300 SEL 3.5. Ab Mai 1973 gab es den V8 auch mit langem Radstand, für Fahrgäste, die hinten Platz brauchten. Was ihn technisch ausmacht, steht in unserem Porträt Opel Diplomat B.

So verlor Opel den Kampf um die Oberklasse
Gegen den Stern half keine Achse. 1969 baute Opel 17.777 Wagen der KAD-B-Reihe, 1974 noch 1.754. Das sind 90 Prozent weniger in fünf Jahren. Den Kapitän strich Opel schon im Mai 1970. 1972 kam die neue S-Klasse, 1973 die Ölkrise, und wer 1977 einen großen Wagen kaufen wollte, ging zu Mercedes oder zum neuen BMW 7er.
Im Juli 1977 lief der letzte Diplomat vom Band. Sein Nachfolger wurde 1978 der Senator, zusammen mit dem Coupé Monza, beide eine Klasse kleiner. Für AUTO BILD erzielten die großen Opel nur Achtungserfolge, weil ihnen das Prestige von Mercedes fehlte. Das ist wohl die ehrlichste Zusammenfassung.
Ein Diplomat lebte als Bitter CD weiter
Auf der IAA im September 1969 zeigte Opel eine Studie namens CD, ein flaches Coupé auf Diplomat-Technik. Opel baute es nicht. Erich Bitter tat es. Auf der IAA 1973 stellte er den Bitter CD vor, mit Fahrgestell, V8 und Armaturenbrett des Diplomat B und einer Karosserie, die der Karosseriebauer Baur fertigte.
Auf der Messe nahm Bitter 176 Bestellungen an. Dann kam die Ölkrise, und die meisten Käufer stornierten. Bis 1979 entstanden 395 Bitter CD. Anfang 1975 kostete einer 58.000 Mark.

So wenige fahren heute noch
Wie selten die großen Opel geworden sind, zeigt die Zählung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für die A-Reihe führt es die Typen einzeln.
- 124Admiral A
- 2Admiral A V8
- 47Diplomat A
- 9Diplomat A Coupé
Als Tabelle
| Typ | Zugelassen am 1. Januar 2026 | Zugelassen am 1. Januar 2019 |
|---|---|---|
| Admiral A | 124 | 130 |
| Admiral A V8 | 2 | 3 |
| Diplomat A | 47 | 41 |
| Diplomat A Coupé | 9 | 11 |
Von 347 Coupés tragen also noch 9 ein deutsches Kennzeichen. Beim Diplomat A ist die Zahl sogar gestiegen, von 41 auf 47. Offenbar kommen Wagen zurück auf die Straße, die lange abgemeldet waren.
Einen großen Opel zu fahren, ist heute ein bewusster Schritt gegen den Strom. Wer einen Mercedes der Sechziger sucht, hat die Auswahl. Wer einen Diplomat sucht, muss Geduld haben, und wird auf jedem Treffen angesprochen.
Du fährst einen Admiral, Diplomat oder Kapitän? Dann gehört er zu den wenigen, die es noch gibt. Trag ihn in die Kartei ein und schreib seine Geschichte auf, bevor sie verloren geht.

Foto: Alexander Migl · CC BY-SA 4.0
Quellen
- Wikipedia: Opel Admiral
- Autozine: Opel Admiral bestaat 75 jaar
- Wikipedia: Opel Diplomat A
- Wikipedia: Opel Diplomat
- Wikipedia: Opel Admiral B
- AUTO BILD: Opel KAD-Serie
- Auto Świat: Wielka trójka Opla
- Driven to Write: 1969 Opel Admiral B review
- Wikipedia: Bitter Automotive
- Hagerty UK: Cars that time forgot, Bitter CD
- Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg: Bestand an Kraftfahrzeugen nach Herstellern und Typen (FZ 6), 1. Januar 2019 und 2026, Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0. Gezählt sind die Typen ADMIRAL-A, ADMIRAL-A-V8, DIPLOMAT-A und DIPLOMAT-A-COUPE des Herstellers 0039.
Was Leser zu Admiral und Diplomat fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kapitän, Admiral und Diplomat?
Es sind drei Ausstattungsstufen derselben Karosserie, wie Dienstgrade. Der Kapitän war die einfache Version, der Admiral die mittlere, der Diplomat die Spitze mit der feinsten Ausstattung und dem V8. Opel nannte die Reihe nach den Anfangsbuchstaben KAD. Den Kapitän gab es in der B-Reihe nur bis Mai 1970.
Welchen Motor hatte der Opel Diplomat V8?
Einen V8 von Chevrolet. In der A-Reihe zuerst den 283er mit 4,6 Litern und 190 PS, dann den 327er mit 5,4 Litern und 230 PS. Die B-Reihe hatte den 5,4-Liter mit 230 PS. Dazu kam eine Automatik von General Motors.
Wie viele Diplomat V8 Coupés gibt es?
Karmann baute von Februar 1965 bis Juli 1967 347 Stück, eine polnische Quelle nennt 304. Am 1. Januar 2026 waren in Deutschland 9 davon zugelassen, so das Kraftfahrt-Bundesamt. 2019 waren es noch 11.
Warum hat Opel den Diplomat eingestellt?
Die wohlhabenden Käufer wählten Mercedes und BMW. Die neue S-Klasse von 1972 und die Ölkrise 1973 ließen die Stückzahl der KAD-Reihe einbrechen, im Juli 1977 war Schluss. Nachfolger wurden 1978 der Senator und der Monza, eine Klasse tiefer.
Was hat der Bitter CD mit dem Diplomat zu tun?
Er steht auf der Technik des Diplomat B, mit dessen Fahrgestell, V8 und Armaturenbrett. Die Idee zeigte Opel 1969 auf der IAA als Studie CD. Erich Bitter baute das Coupé ab 1973 in kleiner Serie, bis 1979 entstanden 395 Stück.
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