Gezeichnet von einem Schweden in Italien, gebaut in England, berühmt durch Roger Moore. Und ein Exemplar hielt länger als jedes andere Auto der Welt
Patinamore-Redaktion · 09.10.2026 · aktualisiert 07.10.2026
Der P1800 in 4 Sätzen
- Im Januar 1960 zeigte Volvo den P1800 auf dem Salon in Brüssel. Gezeichnet hatte ihn der Schwede Pelle Petterson bei Pietro Frua, was Volvo erst 2009 offiziell zugab.
- Die ersten 6.000 Wagen baute Jensen in West Bromwich, ab 1963 lief der 1800S in Göteborg vom Band. 39.407 Coupés entstanden bis 1972, dazu 8.077 Kombi-Coupés 1800ES bis Juni 1973.
- Roger Moore fuhr ihn von 1962 bis 1969 in 118 Folgen als Simon Templar. Irv Gordon aus New York fuhr seinen 1800S von 1966 bis November 2018 3.260.257 Meilen, rund 5,2 Millionen km.
- Classic Trader sieht gute P1800 zwischen 30.000 und 55.000 Euro; ein 1800ES im Zustand 2 stand bei AUTO BILD mit 32.000 Euro Marktwert.
Volvo baute Autos für Ärzte, Lehrer und Förster, und dann baute Volvo den P1800. Ein Coupé mit Hüftschwung und Heckflossen, gezeichnet in Turin, gebaut in England, gefahren von Simon Templar. Dass ausgerechnet dieses Auto den Weltrekord im Durchhalten aufstellte, passt dann doch wieder zu Volvo.
So kam ein schwedischer Entwurf nach Italien und England
Volvo hatte Mitte der 1950er Jahre einen Sportwagen versucht, den P1900 mit Kunststoffkarosserie, und ihn nach kurzer Zeit eingestellt. Der zweite Versuch sollte besser werden. Der Auftrag für die Form ging nach Turin zu Pietro Frua, dessen Studio damals zu Ghia gehörte. Gezeichnet hat den Wagen dort ein 27 Jahre alter Schwede: Pelle Petterson. Volvo verschwieg das jahrzehntelang und nannte Petterson erst 2009 offiziell als Urheber. Petterson wurde später Segler mit olympischen Medaillen und Konstrukteur von America's-Cup-Yachten.
Im Januar 1960 stand der P1800 auf dem Salon in Brüssel. Für so kleine Stückzahlen fehlte Volvo eine eigene Fertigung, also baute Jensen Motors in West Bromwich die ersten 6.000 Wagen, mit Karosserien von Pressed Steel aus Linwood in Schottland. Die Qualität blieb hinter dem zurück, was Göteborg gewohnt war. 1963 holte Volvo die Montage ins Werk Lundby und nannte den Wagen 1800S, S wie Schweden.
Was in 12 Jahren aus dem P1800 wurde
Der Motor war der B18 aus dem Amazon, ein Vierzylinder mit 1,8 Litern und 90 PS nach DIN. Mit jeder Stufe kam etwas dazu: 1963 mehr Leistung, 1968 der 2-Liter-B20 mit 105 PS, 1969 die D-Jetronic-Einspritzung von Bosch mit 124 PS im 1800E. 1971 kam das Kombi-Coupé 1800ES mit gläserner Heckklappe, in Deutschland bald Schneewittchensarg genannt. Am 27. Juni 1973 lief der letzte vom Band.
| Version | Bauzeit | Motor | Stückzahl |
|---|---|---|---|
| P1800 (Jensen) | 1961 bis 1963 | B18, 1,8 Liter, 90 PS | 6.000 |
| 1800S | 1963 bis 1969 | B18, dann B20 mit 105 PS | zusammen mit dem P1800 und 1800E 39.407 Coupés |
| 1800E | 1969 bis 1972 | B20E mit D-Jetronic, 124 PS | |
| 1800ES | 1971 bis 1973 | B20, Kombi-Coupé | 8.077 |
Alle Zahlen zusammen ergeben gut 47.000 Wagen in 12 Jahren. Für Volvo war das ein Nebengeschäft, für die Marke ein Imagegewinn, der bis heute trägt.

Darum kennt jeder den weißen P1800 mit ST 1
1962 suchte die Produktion der Fernsehserie „The Saint“ einen Wagen für Roger Moore. Jaguar lehnte ab, Volvo sagte zu und lieferte einen weißen P1800. 118 Folgen lang fuhr Simon Templar damit durch England und halb Europa, bis 1969. In Deutschland lief die Serie als „Simon Templar“, und für viele war der Volvo seither der Wagen des Heiligen.
Die Wirkung war größer als jede Anzeige. Ein schwedischer Hersteller, der mit Sicherheit und Langlebigkeit warb, hatte plötzlich ein Auto, das ein Gentleman-Dieb fuhr. Volvo behielt die Rolle über die Serie hinaus im Prospekt.
Wie Irv Gordon 5,2 Millionen Kilometer schaffte
Irv Gordon, Lehrer im Bundesstaat New York, kaufte 1966 einen roten 1800S. Er fuhr jeden Tag weit zur Arbeit, am Wochenende weiter, und er ließ den Wagen nach Vorschrift warten. Als Gordon im November 2018 starb, zeigte der Tacho 3.260.257 Meilen, rund 5,2 Millionen km. Kein Pkw in Privathand hat belegt mehr geschafft.
Für uns ist das die beste Werbung, die ein Fahrzeugbuch je bekommen hat. Gordon konnte jeden Ölwechsel und jede Reparatur belegen, und genau deshalb glaubte ihm das Guinness-Buch. Wer seinen eigenen Wagen lange fahren will, fängt mit demselben Blatt Papier an.
Was ein P1800 heute kostet und wo er schwächelt
Classic Trader nennt für gute P1800 ein Marktfenster von 30.000 bis 55.000 Euro, abhängig von Zustand, Historie, Originalität und Ausstattung. AUTO BILD bewertete einen 1800ES mit 88.200 km im Zustand 2 mit 32.000 Euro Marktwert. Die frühen Jensen-Wagen und sehr originale 1800E liegen darüber, ein Projektauto darunter.
Technisch ist der P1800 ein Amazon im Abendkleid: robust, gut versorgt, einfach zu schrauben. Die Karosserie ist der Schwachpunkt, vor allem bei den englischen Wagen: Schweller, Radläufe, Bodenbleche und die Blechkante unter der Frontscheibe. Beim 1800E und ES gehört die D-Jetronic auf die Liste; sie läuft gut, wenn sie jemand versteht, und schlecht, wenn jemand daran gedreht hat. Mehr zur Baureihe steht im Porträt Volvo P1800.
Du fährst einen P1800 oder einen ES? Dann trag ihn in die Kartei ein und beginne sein Fahrzeugbuch. Bis 5 Millionen km ist es weit, aber jeder Eintrag zählt.

Foto: 1800Classic · CC BY-SA 3.0
Quellen
Was Leser zum Volvo P1800 fragen
Wer hat den Volvo P1800 entworfen?
Pelle Petterson, ein 27 Jahre alter Schwede, im Studio von Pietro Frua. Frua arbeitete damals unter dem Dach von Ghia, deshalb galt der Wagen lange als Italiener. Volvo nannte Petterson erst 2009 offiziell als Urheber. Petterson wurde später als Segler bekannt, mit olympischen Medaillen und als Konstrukteur von America's-Cup-Yachten.
Wie viele Volvo P1800 wurden gebaut?
39.407 Coupés von Herbst 1961 bis Frühjahr 1972 und 8.077 Kombi-Coupés 1800ES bis zum 27. Juni 1973. Die ersten 6.000 Coupés montierte Jensen in England mit Karosserien von Pressed Steel aus Linwood in Schottland, danach übernahm Volvo in Göteborg.
Welchen Volvo fuhr Simon Templar?
Einen weißen P1800 mit dem Kennzeichen ST 1. Roger Moore fuhr ihn in der Serie „Simon Templar“ (The Saint) von 1962 bis 1969, 118 Folgen lang. Der Wagen machte das Coupé in Großbritannien und Deutschland bekannt.
Wie weit ist der Volvo mit den meisten Kilometern gefahren?
3.260.257 Meilen, rund 5,2 Millionen km. Irv Gordon, ein Lehrer aus dem Bundesstaat New York, kaufte seinen 1800S 1966 neu und fuhr ihn bis zu seinem Tod im November 2018. Es ist der höchste belegte Kilometerstand eines Pkw in Privathand.
Was kostet ein Volvo P1800 heute?
30.000 bis 55.000 Euro für einen guten Wagen, so das Marktfenster bei Classic Trader, je nach Zustand, Historie und Originalität. AUTO BILD bewertete einen 1800ES mit 88.200 km im Zustand 2 mit 32.000 Euro Marktwert und 37.600 Euro Wiederbeschaffungswert. Frühe Jensen-Wagen und sehr originale 1800E liegen darüber.
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