2 Karosseriebauer, 2 Konzepte: das 2+2-Cabrio aus Wuppertal mit 696 Stück und das Viersitzer-Cabrio aus Osnabrück mit über 330.000: Geschichte, Technik, Kaufhinweise
Patinamore-Redaktion · 12.09.2026 · aktualisiert 13.09.2026
Was man über das Käfer Cabriolet wissen muss
- Volkswagen baute das Käfer Cabriolet nie selbst: Hebmüller in Wuppertal lieferte ab 1949 den 2+2-Sitzer, Karmann in Osnabrück den Viersitzer bis zum 10. Januar 1980.
- Hebmüller schaffte statt der bestellten 2.000 nur 696 Wagen, ein Großbrand am 23. Juli 1949 zerstörte die Produktion, 1952 war die Firma am Ende.
- Karmann baute je nach Quelle 330.281 oder 331.847 Cabriolets, immer auf der jeweils stärksten Limousine: 1300, 1500, 1302 LS, 1303 LS.
- Ein echtes Karmann-Cabriolet hat die Karmann-Fahrgestellnummer und die Verstärkungen unter Schwellern und Bodengruppe, ein abgesägtes Dach hat beides nicht.
Der Käfer war ein Auto mit verschraubter Karosserie, und das lud Karosseriebauer ein: Man nahm die Bodengruppe und setzte etwas anderes darauf. Offiziell arbeitete Volkswagen dabei mit 2 Firmen zusammen, und die beiden hatten 2 verschiedene Ideen davon, was ein offener Käfer sein sollte.
Wer das Cabriolet baute und welche es gab
Wie das Cabriolet zu Hebmüller kam
1948 beauftragte Volkswagen die Wuppertaler Karosseriefirma Hebmüller mit einem Cabriolet. Heraus kam ein 2+2-Sitzer mit 2 Notsitzen: Das Verdeck endete hinter den vorderen Seitenscheiben und verschwand geöffnet im Heck hinter der Notbank, darüber streckte sich eine längere, flacher abfallende Motorhaube mit schmaler Stahlnase. Zweifarbig lackiert, Schwarz mit Rot oder Elfenbein an den Flanken, mit Chromzierrat und gehobener Innenausstattung, zu 7.500 DM. Volkswagen bestellte nach der Dauerprüfung 2.000 Stück.
Es wurden 696. Am 23. Juli 1949 zerstörte ein Großbrand die Produktionsstrecke; der Wiederaufbau war nach 4 Wochen provisorisch möglich, aber die Versicherung deckte den Schaden nur zum Teil, die Banken kündigten die Kredite, und im Mai 1952 beantragte Hebmüller den Vergleich. Karmann baute aus Restbeständen noch 12 oder 14 Wagen. Ein Hebmüller ist heute eines der seltensten und teuersten Käfer-Derivate.
So wurde Karmann zum Cabriolet-Werk
Bei Karmann in Osnabrück hatte man schon 1946 eine Limousine offen gesägt und mit Streben versteift; 1949 bestellte Volkswagen 25 Vorserienwagen, am 1. August 1949 dann „1.000 Stück viersitziges, vierfenstriges Kabriolet Typ 15“. Aus den 1.000 wurden über 330.000 Cabriolets, je nach Quelle 330.281 oder 331.847, und aus dem Auftrag 50 Jahre Zusammenarbeit mit 2,5 Millionen Fahrzeugen für Volkswagen.
Das Karmann-Konzept: ein Viersitzer, dessen Verdeck geöffnet als Paket auf der Karosserie liegt, damit der hintere Kofferraum bleibt und die Motorklappe die Form der Limousine behält. Das Verdeck war mehrlagig mit Innenhimmel und Glasheckscheibe, ein Stoffdach von Limousinenqualität, das man heute noch an dem dicken Paket im Nacken erkennt.

Welche Cabriolet-Modelle es gab
Karmann folgte der Limousine, immer mit dem stärksten Motor und der besten Ausstattung: 1965 der 1300 mit 40 PS, ab 1966 der 1500 mit 44 PS, ab 1970 der 1302 LS mit 50 PS und dem langen Vorderwagen, ab 1972 der 1303 LS mit Panoramascheibe. Als Volkswagen die Limousine 1975 wieder auf den 1200 zurückstufte, blieb das Cabriolet ein 1303, bis am 10. Januar 1980 das letzte in Osnabrück vom Band lief. 1979 kostete es 14.423 DM. Die Sondermodelle Triple White, Champagner Edition und Triple Black entstanden für Nordamerika auf dieser Basis.
So beurteilt man ein Cabriolet
Wo ein Cabriolet schwach ist
Ein offener Käfer trägt seine Steifigkeit in der Bodengruppe: Karmann verstärkte Schweller, Rahmen und Bodenplatten. Genau dort rostet er, unter den Trittbrettern, in den Schwellern, an den Wagenheberaufnahmen, an den Verdeckkastenblechen, wo Wasser aus dem Verdeck steht. Ein Cabriolet, das sich beim Aufbocken verwindet und dessen Türen dann klemmen, hat Rost in der Struktur. Dazu das Verdeck: Ein neues kostet 1.500 bis 3.000 Euro mit Himmel, das Gestänge ist robust.
Daran erkennt man ein echtes
An der Fahrgestellnummer mit Karmann-Kennung, an den Karmann-Typenschildern, an den Verstärkungen unter den Schwellern und in der Bodengruppe, an der Verdeckkonstruktion mit Innenhimmel. Umbauten aus Limousinen gibt es viele, mit Limousinen-Brief, ohne Verstärkungen, mit Verdecken aus dem Zubehör. Sie sind fahrbar und offen, aber sie sind kein Karmann. Beim Hebmüller entscheidet die Expertise: 696 gebaut, und mehr sind heute unterwegs.
Was davon ins Fahrzeugbuch gehört
Fahrgestellnummer, Typenschilder, Fotos der Verstärkungen, das Verdeck mit Sattler und Datum, die Roststellen mit Reparatur. Beim Cabriolet ist die Frage „echt?“ die erste, und das Buch beantwortet sie.
2 Firmen, 2 Ideen, ein offener Käfer: Hebmüller für die Wenigen, Karmann für alle. Wer eines kauft, kauft zuerst die Nummer und dann den Sommer.

Foto: Annie Spratt · Unsplash License
Quellen
Was Leser über das Käfer Cabriolet fragen
Was unterscheidet Hebmüller- und Karmann-Cabriolet?
Das Konzept: Hebmüller baute einen 2+2-Sitzer mit versenkbarem Verdeck und langer, flacher Heckhaube in Roadster-Manier, meist zweifarbig; Karmann einen vollwertigen Viersitzer, dessen Verdeck geöffnet auf der Karosserie liegt, mit der Motorhaube der Limousine. Hebmüller: 696 Stück von 1949 bis 1953, Karmann: über 330.000 bis 1980.
Warum blieb das Cabrio bis 1980 ein 1303?
Weil Karmann das Cabriolet immer auf der höchsten Entwicklungsstufe der Limousine baute, und als Volkswagen 1975 die Limousine wieder auf den 1200 zurückstufte, behielt das Cabrio die 1303-Basis mit McPherson-Vorderachse, Panoramascheibe und 50 PS bis zum letzten Wagen am 10. Januar 1980.
Woran erkenne ich ein echtes Karmann-Cabriolet?
An der Fahrgestellnummer mit Karmann-Kennung (Typ 15), an den Verstärkungen unter Schwellern, an der verstärkten Bodengruppe und den Karmann-Typenschildern. Ein Umbau aus einer Limousine hat einen Limousinen-Brief und meist einen Rahmen, der sich beim Aufbocken verwindet.
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