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Der Knudsen-Taunus: wie ein Ford-Chef dem Taunus TC die Nase gab, Titelbild
Szene

Der Knudsen-Taunus: wie ein Ford-Chef dem Taunus TC die Nase gab

Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, Berthold Werner, skaliert

Semon Knudsen war nur 18 Monate Präsident von Ford. Geblieben ist eine Nase auf der Motorhaube, nach der Deutschland den Taunus von 1970 bis heute benennt

· 05.10.2026 · aktualisiert 05.10.2026

Der Knudsen-Taunus in vier Sätzen

Manche Autos tragen den Namen ihres Herstellers, manche den ihrer Baureihe. Der Ford Taunus von 1970 trägt in Deutschland den Namen eines Managers. Semon Knudsen war nur 18 Monate Präsident von Ford. Geblieben ist von ihm eine Wölbung in der Mitte der Motorhaube, die Knudsen-Nase. Nach ihr heißt der Taunus TC bis heute Knudsen-Taunus.

Wer Semon Knudsen war

Semon Emil Knudsen, genannt Bunkie, kam 1912 zur Welt und ging 1939 zu General Motors. 1956 übernahm er Pontiac, später leitete er Chevrolet.

1968 holte ihn Henry Ford II als Präsidenten zu Ford. Die Zeit dort war kurz. Am 11. September 1969 entließ Ford ihn wieder, nach rund 18 Monaten, auch wegen der Rivalität mit Lee Iacocca. Henry Ford II sagte dazu sinngemäß, es habe nicht so funktioniert, wie er gehofft hatte.

Die Nase kam aus Amerika

Knudsen brachte von Pontiac eine Vorliebe mit: eine Front, die in der Mitte nach vorn springt. In den USA erinnert der Thunderbird von 1970 mit seinem Schnabel daran, laut Wikipedia nach dem Vorbild des Pontiac Grand Prix. Beim deutschen Taunus soll Knudsen den Kühlergrill mit der Wölbung in der Mitte durchgesetzt haben, die bis in die Motorhaube läuft. AUTO BILD Klassik schreibt, er habe die Nase in letzter Minute in den Entwurf skizziert, zum Ärger von Ford in Köln. Ob es sich genau so zugetragen hat, ist nicht dokumentiert. Die Geschichte gehört zum Auto wie der Name.

Nahaufnahme von Kühlergrill und Motorhaube eines Ford Taunus GXL mit der Wölbung in der Mitte
Die Knudsen-Nase an einem Taunus GXL von 1971: Der Grill springt in der Mitte vor und läuft als Wölbung in die Haube. Foto: Knudsen71, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, skaliert.

So kam der Taunus TC auf die Straße

Im September 1970 stellte Ford den neuen Taunus vor. TC steht für Taunus-Cortina, denn er teilte sich die Technik mit dem englischen Cortina der dritten Generation, der im Oktober 1970 in London debütierte. Es gab ihn als zwei- und viertürige Limousine, als Kombi mit dem Namen Turnier und als zweitüriges Coupé mit Fließheck, das es nur in Deutschland gab.

MotorHubraumLeistung
Vierzylinder1,3 Liter55 PS
Vierzylinder1,6 Liter72 oder 88 PS
V62,0 Liter90 PS
V6 ab Ende 19712,3 Liter108 PS

Die Ausstattungen hießen Standard, L, XL, GT und GXL. Den Grundpreis nennt die Agentur SP-X mit 6.654 Mark und damit auf dem Niveau eines Käfers.

Ein gelbes Ford Taunus 2.0 Coupé von 1972 schräg von vorn
Ein Taunus 2.0 Coupé von 1972 mit Knudsen-Nase. Das Coupé mit Fließheck gab es nur in Deutschland. Foto: Stahlkocher, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, skaliert.

Darum wurde der Taunus trotz Zitrone ein Erfolg

Der Start war holprig. Für die Qualitätsmängel seines ersten Jahrgangs, darunter eindringendes Wasser, Zündaussetzer und schlechte Spaltmaße, bekam der Taunus 1971 vom ADAC die Silberne Zitrone. Gekauft wurde er trotzdem. Laut SP-X kamen im ersten Jahr rund 125.000 Zulassungen zusammen, 1971 lag der Marktanteil bei 15 Prozent.

AUTO BILD Klassik stellt ihn dem Opel Ascona A gegenüber: Vom Ascona entstanden weniger als 700.000, vom Knudsen-Taunus mehr als 1,1 Millionen. Die englische Wikipedia nennt rund 1,2 Millionen. Mit allen Nachfolgern bis 1982 kam der Taunus TC auf knapp 2,7 Millionen Stück.

Wann die Nase wieder ging

Im September 1973 bekam der Taunus einen neuen Grill und ein schlichteres Armaturenbrett, im Januar 1975 folgte noch eine Überarbeitung. Die Nase überstand beide. Erst der Taunus TC2, vorgestellt im November 1975 zum Modelljahr 1976, kam mit glatter Front. Gezeichnet hatten ihn Tom Tjaarda von Ghia und Uwe Bahnsen, die Vorgabe lautete laut AUTO BILD Klassik: sachlicher, weniger amerikanisch. Ab 1976 waren Taunus und Cortina auch in der Konstruktion gleich.

  1. 1968Semon Knudsen wird Präsident der Ford Motor Company.
  2. 1969Henry Ford II entlässt Knudsen am 11. September nach rund 18 Monaten.
  3. 1970Im September kommt der Taunus TC mit der Knudsen-Nase.
  4. 1971Der ADAC verleiht ihm die Silberne Zitrone, Ende des Jahres kommt der 2,3-Liter-V6.
  5. 1973Im September bekommt er einen neuen Grill, die Nase bleibt.
  6. 1975Im November zeigt Ford den TC2 mit glatter Front.

So viele Knudsen-Taunus gibt es noch

Wir haben die Bestandszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts ausgewertet. Gezählt sind die Taunus-Typen mit den Ausstattungen L, XL und GXL, die es nur in der ersten Serie gab. Weitere Taunus führt das KBA nur unter dem Namen Taunus, ohne Ausstattung, sie lassen sich keiner Serie sicher zuordnen. Die Zahlen sind deshalb eine Untergrenze.

Taunus TC der ersten Serie — Stichtag
  1. 6482019
  2. 6492023
  3. 6182026
Als Tabelle
StichtagTaunus TC der ersten Seriedavon mit V6
1. Januar 201964888
1. Januar 202364996
1. Januar 202661887

Bis 2023 hielt sich der Bestand bei rund 650 Autos, seitdem sinkt er. Gesucht sind laut AUTO ZEITUNG und AUTO BILD Klassik vor allem die frühen Wagen mit Nase und die Coupés. Jeder Knudsen-Taunus ist älter als 30 Jahre und kann ein H-Kennzeichen tragen.

Wer einen kaufen will, sieht zuerst nach Rost. Die AUTO ZEITUNG nennt die Oberkanten der Kotflügel, die Schweller, die A-Säulen mit der Dichtung der Frontscheibe und die hinteren Radläufe. Jede Stelle zeigt unsere Rostkarte für den Taunus TC. Alles zum Modell steht im Porträt des Taunus TC, Teile und Hilfe finden sich bei den Händlern für Ford und den Werkstätten für Ford.

Du fährst einen Knudsen-Taunus? Trag ihn in die Kartei ein und halte fest, wie es ihm heute geht.

Der Knudsen-Taunus: wie ein Ford-Chef dem Taunus TC die Nase gab, Bild zum Zitat
In einem SatzKnudsen-Taunus heißt der Ford Taunus TC von 1970 bis 1975, nach Semon Knudsen, der 1968 und 1969 Präsident von Ford war und laut Überlieferung die Nase auf der Motorhaube durchsetzte.

Foto: Kieran White from Manchester, England · CC BY 2.0

Quellen

  1. Wikipedia: Ford Taunus TC
  2. Wikipedia: Ford Taunus TC (englisch)
  3. AUTO BILD Klassik: Ford Taunus Typ TC wird 40
  4. AUTO BILD Klassik: Der Kult um Knudsen, 16. Juni 2010
  5. AUTO BILD Klassik: Ford Taunus TC II, 25. April 2014
  6. autoplenum (SP-X, Wolfram Nickel): Karrieremacher mit Knudsen-Nase, 50 Jahre Ford Taunus TC
  7. AUTO ZEITUNG: Ford Taunus TC, Kaufberatung
  8. ADAC Autokatalog: Ford Taunus TC, 1. Generation
  9. Wikipedia: Semon Knudsen
  10. MIT News: Semon Knudsen, Nachruf 1998
  11. MotorCities: Semon E. Knudsen
  12. Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg: Bestand an Kraftfahrzeugen nach Herstellern und Typen, 1. Januar 2019 bis 2026

Was Leser zum Knudsen-Taunus fragen

Warum heißt der Taunus TC Knudsen-Taunus?

Wegen der Nase auf der Motorhaube. Semon Knudsen, von 1968 bis 1969 Präsident der Ford Motor Company, soll den Kühlergrill mit der Wölbung in der Mitte durchgesetzt haben, die bis in die Haube läuft. AUTO BILD Klassik schreibt, er habe sie in letzter Minute in den Entwurf skizziert. Belegt ist das als Überlieferung, der Name ist geblieben.

Wann wurde der Knudsen-Taunus gebaut?

Von September 1970 bis November 1975. Im September 1973 bekam er einen neuen Grill und ein schlichteres Armaturenbrett, die Nase blieb. Erst der Taunus TC2 zum Modelljahr 1976 hatte eine glatte Front.

Welche Motoren hatte der Knudsen-Taunus?

Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle und V6 aus Köln. Der 1,3-Liter leistete 55 PS, der 1,6-Liter 72 oder 88 PS, der 2-Liter-V6 90 PS und der 2,3-Liter-V6 ab Ende 1971 108 PS.

Wie viele Knudsen-Taunus gibt es noch?

Mindestens 618 in Deutschland, Stand 1. Januar 2026. So viele Taunus mit den Ausstattungen L, XL und GXL der ersten Serie zählt das Kraftfahrt-Bundesamt. Weitere Taunus lassen sich in der Statistik keiner Serie sicher zuordnen, die Zahl ist deshalb eine Untergrenze.

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