30 Jahre, weitgehend original, ein Gutachten nach § 23 StVZO. Und eine Rechnung, die beim Motorrad anders ausgeht als beim Auto: Unter 625 cm³ zahlst du mit H mehr Steuer
Patinamore-Redaktion · 16.10.2026 · aktualisiert 10.10.2026
Das H fürs Motorrad in 4 Sätzen
- Das H bekommt ein Motorrad, dessen Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurückliegt, das weitestgehend original und gut erhalten ist (§ 2 Nr. 22 FZV) und ein Gutachten nach § 23 StVZO besteht. Umbauten gehen durch, wenn sie in den ersten 10 Jahren nach der Erstzulassung üblich waren.
- Die Steuer ist eine Pauschale von 46,02 Euro im Jahr. Ohne H zahlt ein Motorrad 1,84 Euro je angefangene 25 cm³. Der Schnittpunkt liegt bei 625 cm³: Darunter ist das H teurer, darüber billiger.
- Einmalig kosten Gutachten, HU, Zulassung und Schild zusammen rund 180 bis 370 Euro, das Gutachten allein 80 bis 200 Euro, bei großen Prüfstellen bis 500 Euro.
- Laufend bleiben Steuer, eine Oldtimerversicherung, die meist unter dem Normaltarif liegt, und die HU alle 2 Jahre. Mit Saisonkennzeichen, 2 bis 11 Monate, zahlst du Steuer und Versicherung nur für die Saison.
Beim Auto ist die Sache klar: Das H spart Steuer, oft mehrere hundert Euro im Jahr. Beim Motorrad kippt die Rechnung. Die Pauschale von 46,02 Euro liegt über dem, was eine 500er regulär zahlt, und erst ab 625 cm³ wird das H billiger als der Hubraumtarif. Wer sein Motorrad trotzdem mit H fährt, tut es wegen der Versicherung, wegen des Werts und weil er den Zustand festschreiben will. Hier stehen die Voraussetzungen, die einmaligen und die laufenden Kosten, mit Zahlen.
Was das Motorrad mitbringen muss
Das Gesetz behandelt 2 und 4 Räder beim Oldtimer gleich. § 2 Nr. 22 FZV verlangt ein Fahrzeug, das vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr kam, weitestgehend dem Originalzustand entspricht, in gutem Erhaltungszustand ist und der Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts dient. Es zählt allein die Erstzulassung. Ein Motorrad von 1995, das erst 1997 zugelassen wurde, ist 2027 dran.
Das bestätigt ein amtlich anerkannter Sachverständiger, Prüfer oder Prüfingenieur in einem Gutachten nach § 23 StVZO, nach einer Richtlinie aus dem Verkehrsblatt und mit einer Untersuchung im Umfang der HU. Was die Richtlinie unter weitestgehend original versteht, haben wir für den Paragrafen aufgeschrieben. Für das Motorrad heißt es in der Praxis:
- Umbauten aus den ersten 10 Jahren nach der Erstzulassung gehen durch, wenn sie damals üblich waren und eingetragen sind: Koffer, Verkleidung, ein anderer Lenker, ein Sportauspuff aus derselben Zeit.
- Umbauten von heute fallen durch: LED-Blinker, Upside-down-Gabel, Stummellenker aus dem Zubehörkatalog von 2024, offene Luftfilter, ein Heckumbau zum Café Racer. Die Faustregel der Prüfer lautet mindestens 90 Prozent Originalteile.
- Verschleißteile dürfen modern sein, solange sie dem Original entsprechen: Reifen in Originalgröße, Bremsbeläge, Kette, Batterie, Zündkerzen. Eine elektronische Zündung unter dem originalen Deckel stört in der Regel ebenso wenig wie ein Nachbau-Auspuff in Originalform.
- Patina ist erlaubt, Verfall ist ein Mangel. Ein stumpfer Lack mit Steinschlägen geht durch, Rost am Rahmen, eine gerissene Sitzbank, blinde Instrumente und tropfende Gabelholme sind Mängel.
- Die Papiere müssen stimmen. Betriebserlaubnis, Fahrzeugbrief, Eintragungen für jedes Zubehörteil. Was fehlt, muss der Prüfer nachtragen, und das kostet extra.

Was das H einmalig kostet
| Posten | Kosten | Woher |
|---|---|---|
| Gutachten nach § 23 StVZO | 80 bis 200 Euro, bei manchen Prüfstellen bis 500 Euro | Kennzeichenheld, Verti |
| Hauptuntersuchung | 60 bis 75 Euro | Verti, Helmexpress |
| Zulassung mit Umschreibung | knapp 30 bis 40 Euro | Kennzeichenheld, Verti |
| Kennzeichen | 10 bis 30 Euro, ein Motorrad braucht nur 1 Schild | Kennzeichenheld, Verti |
| Zusammen | rund 180 bis 370 Euro | Beste-Oldtimer |
Gutachten und HU lassen sich in einem Termin machen, § 23 StVZO sieht das ausdrücklich vor. Wer sein Motorrad dafür vorbereitet, spart den zweiten Anlauf: Alle Lampen und Blinker, Hupe, Bremsen, Reifen mit Profil, Kette gespannt, Lenkkopflager ohne Spiel. Was der Prüfer bei der HU bemängelt, bemängelt er auch im Gutachten.
Wer eine Oldtimerversicherung will, braucht meist zusätzlich ein Kurzgutachten zum Wert: 90 bis 180 Euro, ausreichend für Motorräder bis 15.000 bis 20.000 Euro. Darüber verlangen Versicherer ein großes Wertgutachten für 300 bis 600 Euro.
Was das H im Jahr kostet, und warum die Steuer beim Motorrad so wenig bringt
Die Kfz-Steuer für Oldtimerkennzeichen ist eine Pauschale: 46,02 Euro im Jahr für Krafträder, 191,73 Euro für alle anderen Fahrzeuge, so steht es in § 9 Abs. 4 KraftStG. Ohne H zahlt ein Motorrad nach Hubraum, 1,84 Euro je angefangene 25 cm³. Das ergibt eine Tabelle, die jeder vor dem Antrag ansehen sollte.
| Hubraum | Steuer ohne H | Steuer mit H | Unterschied im Jahr |
|---|---|---|---|
| 250 cm³ | 18,40 Euro | 46,02 Euro | 27,62 Euro mehr |
| 500 cm³ | 36,80 Euro | 46,02 Euro | 9,22 Euro mehr |
| 625 cm³ | 46,00 Euro | 46,02 Euro | gleich |
| 750 cm³ | 55,20 Euro | 46,02 Euro | 9,18 Euro weniger |
| 900 cm³ | 66,24 Euro | 46,02 Euro | 20,22 Euro weniger |
| 1.000 cm³ | 73,60 Euro | 46,02 Euro | 27,58 Euro weniger |
Eine Yamaha XT 500, eine Honda CB 500 Four oder eine MZ zahlen mit H also mehr Steuer als ohne. Eine BMW R 75/5 mit 745 cm³ spart 9,18 Euro im Jahr; bis sich ein Gutachten für 150 Euro über die Steuer bezahlt macht, vergehen 16 Jahre. Erst eine Kawasaki Z 900 oder eine Moto Guzzi Le Mans spart so viel, dass es zählt. Beim Auto, wo ein 2,8-Liter-Sechszylinder ohne H leicht 400 Euro kostet, ist das H ein Steuerthema. Beim Motorrad ist es ein Haltungsthema.
Der zweite laufende Posten ist die Versicherung. Oldtimertarife liegen laut Allianz in der Regel unter den Normaltarifen, ein Haftpflicht- oder Vollkaskoschaden lässt die Einstufung dort unberührt, und die Teilkasko schließt Vandalismus ein. Dafür verlangen die Versicherer das Wertgutachten, oft einen Nachweis über ein Alltagsfahrzeug und eine Kilometergrenze im Jahr. Was der Beitrag konkret kostet, hängt vom Wert und vom Versicherer ab; die Rechner der Anbieter geben die Zahl in 2 Minuten.
Der dritte Posten ist die HU alle 2 Jahre, 60 bis 75 Euro, also 30 bis 38 Euro im Jahr. Das Gutachten nach § 23 StVZO gilt dagegen fort, der Prüfer sieht sich den Zustand bei jeder HU wieder an.
Darum passt das Saisonkennzeichen zum H
Die meisten alten Motorräder fahren von April bis Oktober. § 10 FZV erlaubt das H zusammen mit einem Betriebszeitraum auf demselben Schild: mindestens 2, höchstens 11 Monate, in vollen Monaten. Steuer und Versicherung fallen nur für die Saison an, bei 7 Monaten also 26,85 Euro Steuer im Jahr. Das Motorrad bleibt angemeldet, An- und Abmelden entfallen, und außerhalb der Saison steht es auf Privatgrund.
Für jemanden mit mehreren alten Motorrädern ist das rote 07-Kennzeichen die Alternative: ein Schild für mehrere Fahrzeuge, erlaubt für Fahrten zu Veranstaltungen, Probe-, Überführungs- und Werkstattfahrten, mit denselben Anforderungen an den Zustand. Den Vergleich der 3 Wege haben wir gesondert aufgeschrieben.
Für wen sich das H beim Motorrad lohnt
Für den, der ein großes, originales Motorrad lange behalten will. Ab 625 cm³ stimmt die Steuer, die Oldtimerversicherung ist günstiger und schont die Schadenfreiheitsklasse, das Gutachten dokumentiert den Zustand und stützt den Wiederverkaufswert. Für ein Motorrad unter 625 cm³, das ohnehin original ist, bringt das H vor allem die Versicherung und das Schild. Für ein umgebautes Motorrad, einen Café Racer oder einen Scrambler, scheitert es am Gutachten. Und für ein Motorrad im täglichen Einsatz passt der Normaltarif meist besser, weil Oldtimerversicherer ein Alltagsfahrzeug daneben sehen wollen.
Was das H grundsätzlich gibt und verlangt, steht in unserem Überblick zum H-Kennzeichen. Dein Motorrad hat die 30 voll? Dann trag es in die Kartei ein und beginne das Fahrzeugbuch mit dem Gutachten: Es ist das erste Blatt, das der nächste Käufer sehen will.

Quellen
- Bundesministerium der Justiz: § 9 KraftStG, Steuersatz
- Bundesministerium der Justiz: § 2 FZV, Begriffsbestimmungen, Nr. 22 Oldtimer
- Bundesministerium der Justiz: § 10 FZV, Oldtimerkennzeichen und Saisonkennzeichen
- Bundesministerium der Justiz: § 23 StVZO, Gutachten für die Einstufung eines Fahrzeugs als Oldtimer
- DEKRA: H-Kennzeichen / H-Zulassung
- Allianz: Oldtimer Motorrad, Versicherung und H-Kennzeichen
- Verti: H-Kennzeichen für das Motorrad
- Kennzeichenheld: Voraussetzungen für ein H-Kennzeichen
- Beste-Oldtimer.de: H-Kennzeichen 2026, Voraussetzungen, Kosten und Steuer
Was Motorradfahrer zum H-Kennzeichen fragen
Welche Voraussetzungen gelten für das H-Kennzeichen beim Motorrad?
Dieselben wie beim Auto. Die Erstzulassung liegt mindestens 30 Jahre zurück, das Motorrad ist weitestgehend im Originalzustand und in gutem Erhaltungszustand, so steht es in § 2 Nr. 22 FZV. Ein amtlich anerkannter Sachverständiger, Prüfer oder Prüfingenieur bestätigt das in einem Gutachten nach § 23 StVZO, das eine Untersuchung im Umfang der HU einschließt. Umbauten sind erlaubt, wenn sie in den ersten 10 Jahren nach der Erstzulassung üblich waren.
Lohnt sich das H-Kennzeichen beim Motorrad steuerlich?
Erst ab 625 cm³. Die H-Pauschale beträgt 46,02 Euro im Jahr, der normale Satz 1,84 Euro je angefangene 25 cm³. Eine 500er zahlt ohne H 36,80 Euro, mit H 46,02 Euro, also 9,22 Euro mehr. Eine 750er zahlt ohne H 55,20 Euro, spart mit H 9,18 Euro. Eine 1.000er spart 27,58 Euro. Beim Motorrad ist das H deshalb selten eine Steuerfrage, sondern eine Frage von Versicherung, Wert und Haltung.
Was kostet das H-Kennzeichen fürs Motorrad einmalig?
Rund 180 bis 370 Euro. Das Gutachten nach § 23 StVZO kostet je nach Prüfstelle 80 bis 200 Euro, bei manchen bis 500 Euro, die HU 60 bis 75 Euro, die Zulassung knapp 30 bis 40 Euro, das Schild 10 bis 30 Euro. Wer Gutachten und HU in einem Termin macht, spart die doppelte Anfahrt.
Was kostet ein Motorrad mit H-Kennzeichen im Jahr?
46,02 Euro Steuer, dazu Versicherung und anteilig die HU. Oldtimertarife liegen meist unter dem Normaltarif und verlangen ein Kurzgutachten zum Wert, das 90 bis 180 Euro kostet und für Motorräder bis 15.000 bis 20.000 Euro reicht. Die HU alle 2 Jahre schlägt mit 30 bis 38 Euro im Jahr zu Buche. Mit Saisonkennzeichen von April bis Oktober fallen Steuer und Versicherung nur für 7 Monate an.
Geht das H-Kennzeichen beim Motorrad als Saisonkennzeichen?
Ja. § 10 FZV lässt das H und den Betriebszeitraum nebeneinander auf dem Schild zu, mindestens 2, höchstens 11 Monate, in vollen Monaten. Außerhalb der Saison bleibt das Motorrad angemeldet, darf aber nur auf Privatgrund stehen. An- und Abmelden entfällt.
Welche Umbauten verhindern das H beim Motorrad?
Alles, was es so in den ersten 10 Jahren nach der Erstzulassung nicht zu kaufen gab. Ein Café-Racer-Umbau mit modernen Stummellenkern, LED-Blinkern, Upside-down-Gabel und offenem Luftfilter fällt durch. Zeitgenössisches Zubehör wie Koffer, ein Lenker aus dem Katalog der 1970er oder ein Sportauspuff aus derselben Zeit geht durch, wenn er eingetragen ist. Moderne Reifen in Originalgröße und eine elektronische Zündung unter dem Deckel stören den Prüfer in der Regel nicht.
Was zu „H-Kennzeichen fürs Motorrad: Voraussetzungen und laufende Kosten“ noch lesenswert ist
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