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H-Kennzeichen fürs Motorrad: Voraussetzungen und laufende Kosten

Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 de, Lothar Spurzem, skaliert

30 Jahre, weitgehend original, ein Gutachten nach § 23 StVZO. Und eine Rechnung, die beim Motorrad anders ausgeht als beim Auto: Unter 625 cm³ zahlst du mit H mehr Steuer

· 16.10.2026 · aktualisiert 10.10.2026

Das H fürs Motorrad in 4 Sätzen

Beim Auto ist die Sache klar: Das H spart Steuer, oft mehrere hundert Euro im Jahr. Beim Motorrad kippt die Rechnung. Die Pauschale von 46,02 Euro liegt über dem, was eine 500er regulär zahlt, und erst ab 625 cm³ wird das H billiger als der Hubraumtarif. Wer sein Motorrad trotzdem mit H fährt, tut es wegen der Versicherung, wegen des Werts und weil er den Zustand festschreiben will. Hier stehen die Voraussetzungen, die einmaligen und die laufenden Kosten, mit Zahlen.

Was das Motorrad mitbringen muss

Das Gesetz behandelt 2 und 4 Räder beim Oldtimer gleich. § 2 Nr. 22 FZV verlangt ein Fahrzeug, das vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr kam, weitestgehend dem Originalzustand entspricht, in gutem Erhaltungszustand ist und der Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts dient. Es zählt allein die Erstzulassung. Ein Motorrad von 1995, das erst 1997 zugelassen wurde, ist 2027 dran.

Das bestätigt ein amtlich anerkannter Sachverständiger, Prüfer oder Prüfingenieur in einem Gutachten nach § 23 StVZO, nach einer Richtlinie aus dem Verkehrsblatt und mit einer Untersuchung im Umfang der HU. Was die Richtlinie unter weitestgehend original versteht, haben wir für den Paragrafen aufgeschrieben. Für das Motorrad heißt es in der Praxis:

Das Cockpit einer BMW R 60/5 mit Tacho und Drehzahlmesser, 10.481 km auf der Uhr
Originalzustand, wie der Prüfer ihn mag: Lenker, Armaturen, Blinker und Schalter einer BMW R 60/5, so wie sie das Werk geliefert hat. Foto: Llann Wé², Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, skaliert.

Was das H einmalig kostet

PostenKostenWoher
Gutachten nach § 23 StVZO80 bis 200 Euro, bei manchen Prüfstellen bis 500 EuroKennzeichenheld, Verti
Hauptuntersuchung60 bis 75 EuroVerti, Helmexpress
Zulassung mit Umschreibungknapp 30 bis 40 EuroKennzeichenheld, Verti
Kennzeichen10 bis 30 Euro, ein Motorrad braucht nur 1 SchildKennzeichenheld, Verti
Zusammenrund 180 bis 370 EuroBeste-Oldtimer

Gutachten und HU lassen sich in einem Termin machen, § 23 StVZO sieht das ausdrücklich vor. Wer sein Motorrad dafür vorbereitet, spart den zweiten Anlauf: Alle Lampen und Blinker, Hupe, Bremsen, Reifen mit Profil, Kette gespannt, Lenkkopflager ohne Spiel. Was der Prüfer bei der HU bemängelt, bemängelt er auch im Gutachten.

Wer eine Oldtimerversicherung will, braucht meist zusätzlich ein Kurzgutachten zum Wert: 90 bis 180 Euro, ausreichend für Motorräder bis 15.000 bis 20.000 Euro. Darüber verlangen Versicherer ein großes Wertgutachten für 300 bis 600 Euro.

Was das H im Jahr kostet, und warum die Steuer beim Motorrad so wenig bringt

Die Kfz-Steuer für Oldtimerkennzeichen ist eine Pauschale: 46,02 Euro im Jahr für Krafträder, 191,73 Euro für alle anderen Fahrzeuge, so steht es in § 9 Abs. 4 KraftStG. Ohne H zahlt ein Motorrad nach Hubraum, 1,84 Euro je angefangene 25 cm³. Das ergibt eine Tabelle, die jeder vor dem Antrag ansehen sollte.

HubraumSteuer ohne HSteuer mit HUnterschied im Jahr
250 cm³18,40 Euro46,02 Euro27,62 Euro mehr
500 cm³36,80 Euro46,02 Euro9,22 Euro mehr
625 cm³46,00 Euro46,02 Eurogleich
750 cm³55,20 Euro46,02 Euro9,18 Euro weniger
900 cm³66,24 Euro46,02 Euro20,22 Euro weniger
1.000 cm³73,60 Euro46,02 Euro27,58 Euro weniger

Eine Yamaha XT 500, eine Honda CB 500 Four oder eine MZ zahlen mit H also mehr Steuer als ohne. Eine BMW R 75/5 mit 745 cm³ spart 9,18 Euro im Jahr; bis sich ein Gutachten für 150 Euro über die Steuer bezahlt macht, vergehen 16 Jahre. Erst eine Kawasaki Z 900 oder eine Moto Guzzi Le Mans spart so viel, dass es zählt. Beim Auto, wo ein 2,8-Liter-Sechszylinder ohne H leicht 400 Euro kostet, ist das H ein Steuerthema. Beim Motorrad ist es ein Haltungsthema.

Der zweite laufende Posten ist die Versicherung. Oldtimertarife liegen laut Allianz in der Regel unter den Normaltarifen, ein Haftpflicht- oder Vollkaskoschaden lässt die Einstufung dort unberührt, und die Teilkasko schließt Vandalismus ein. Dafür verlangen die Versicherer das Wertgutachten, oft einen Nachweis über ein Alltagsfahrzeug und eine Kilometergrenze im Jahr. Was der Beitrag konkret kostet, hängt vom Wert und vom Versicherer ab; die Rechner der Anbieter geben die Zahl in 2 Minuten.

Der dritte Posten ist die HU alle 2 Jahre, 60 bis 75 Euro, also 30 bis 38 Euro im Jahr. Das Gutachten nach § 23 StVZO gilt dagegen fort, der Prüfer sieht sich den Zustand bei jeder HU wieder an.

Darum passt das Saisonkennzeichen zum H

Die meisten alten Motorräder fahren von April bis Oktober. § 10 FZV erlaubt das H zusammen mit einem Betriebszeitraum auf demselben Schild: mindestens 2, höchstens 11 Monate, in vollen Monaten. Steuer und Versicherung fallen nur für die Saison an, bei 7 Monaten also 26,85 Euro Steuer im Jahr. Das Motorrad bleibt angemeldet, An- und Abmelden entfallen, und außerhalb der Saison steht es auf Privatgrund.

Für jemanden mit mehreren alten Motorrädern ist das rote 07-Kennzeichen die Alternative: ein Schild für mehrere Fahrzeuge, erlaubt für Fahrten zu Veranstaltungen, Probe-, Überführungs- und Werkstattfahrten, mit denselben Anforderungen an den Zustand. Den Vergleich der 3 Wege haben wir gesondert aufgeschrieben.

Für wen sich das H beim Motorrad lohnt

Für den, der ein großes, originales Motorrad lange behalten will. Ab 625 cm³ stimmt die Steuer, die Oldtimerversicherung ist günstiger und schont die Schadenfreiheitsklasse, das Gutachten dokumentiert den Zustand und stützt den Wiederverkaufswert. Für ein Motorrad unter 625 cm³, das ohnehin original ist, bringt das H vor allem die Versicherung und das Schild. Für ein umgebautes Motorrad, einen Café Racer oder einen Scrambler, scheitert es am Gutachten. Und für ein Motorrad im täglichen Einsatz passt der Normaltarif meist besser, weil Oldtimerversicherer ein Alltagsfahrzeug daneben sehen wollen.

Was das H grundsätzlich gibt und verlangt, steht in unserem Überblick zum H-Kennzeichen. Dein Motorrad hat die 30 voll? Dann trag es in die Kartei ein und beginne das Fahrzeugbuch mit dem Gutachten: Es ist das erste Blatt, das der nächste Käufer sehen will.

H-Kennzeichen fürs Motorrad: Voraussetzungen und laufende Kosten, Bild zum Zitat
In einem SatzDas H bekommt ein Motorrad, dessen Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurückliegt, das weitestgehend original und gut erhalten ist (§ 2 Nr. 22 FZV) und ein Gutachten nach § 23 StVZO besteht. Umbauten gehen durch, wenn sie in den ersten 10 Jahren nach der Erstzulassung üblich waren.

Quellen

  1. Bundesministerium der Justiz: § 9 KraftStG, Steuersatz
  2. Bundesministerium der Justiz: § 2 FZV, Begriffsbestimmungen, Nr. 22 Oldtimer
  3. Bundesministerium der Justiz: § 10 FZV, Oldtimerkennzeichen und Saisonkennzeichen
  4. Bundesministerium der Justiz: § 23 StVZO, Gutachten für die Einstufung eines Fahrzeugs als Oldtimer
  5. DEKRA: H-Kennzeichen / H-Zulassung
  6. Allianz: Oldtimer Motorrad, Versicherung und H-Kennzeichen
  7. Verti: H-Kennzeichen für das Motorrad
  8. Kennzeichenheld: Voraussetzungen für ein H-Kennzeichen
  9. Beste-Oldtimer.de: H-Kennzeichen 2026, Voraussetzungen, Kosten und Steuer

Was Motorradfahrer zum H-Kennzeichen fragen

Welche Voraussetzungen gelten für das H-Kennzeichen beim Motorrad?

Dieselben wie beim Auto. Die Erstzulassung liegt mindestens 30 Jahre zurück, das Motorrad ist weitestgehend im Originalzustand und in gutem Erhaltungszustand, so steht es in § 2 Nr. 22 FZV. Ein amtlich anerkannter Sachverständiger, Prüfer oder Prüfingenieur bestätigt das in einem Gutachten nach § 23 StVZO, das eine Untersuchung im Umfang der HU einschließt. Umbauten sind erlaubt, wenn sie in den ersten 10 Jahren nach der Erstzulassung üblich waren.

Lohnt sich das H-Kennzeichen beim Motorrad steuerlich?

Erst ab 625 cm³. Die H-Pauschale beträgt 46,02 Euro im Jahr, der normale Satz 1,84 Euro je angefangene 25 cm³. Eine 500er zahlt ohne H 36,80 Euro, mit H 46,02 Euro, also 9,22 Euro mehr. Eine 750er zahlt ohne H 55,20 Euro, spart mit H 9,18 Euro. Eine 1.000er spart 27,58 Euro. Beim Motorrad ist das H deshalb selten eine Steuerfrage, sondern eine Frage von Versicherung, Wert und Haltung.

Was kostet das H-Kennzeichen fürs Motorrad einmalig?

Rund 180 bis 370 Euro. Das Gutachten nach § 23 StVZO kostet je nach Prüfstelle 80 bis 200 Euro, bei manchen bis 500 Euro, die HU 60 bis 75 Euro, die Zulassung knapp 30 bis 40 Euro, das Schild 10 bis 30 Euro. Wer Gutachten und HU in einem Termin macht, spart die doppelte Anfahrt.

Was kostet ein Motorrad mit H-Kennzeichen im Jahr?

46,02 Euro Steuer, dazu Versicherung und anteilig die HU. Oldtimertarife liegen meist unter dem Normaltarif und verlangen ein Kurzgutachten zum Wert, das 90 bis 180 Euro kostet und für Motorräder bis 15.000 bis 20.000 Euro reicht. Die HU alle 2 Jahre schlägt mit 30 bis 38 Euro im Jahr zu Buche. Mit Saisonkennzeichen von April bis Oktober fallen Steuer und Versicherung nur für 7 Monate an.

Geht das H-Kennzeichen beim Motorrad als Saisonkennzeichen?

Ja. § 10 FZV lässt das H und den Betriebszeitraum nebeneinander auf dem Schild zu, mindestens 2, höchstens 11 Monate, in vollen Monaten. Außerhalb der Saison bleibt das Motorrad angemeldet, darf aber nur auf Privatgrund stehen. An- und Abmelden entfällt.

Welche Umbauten verhindern das H beim Motorrad?

Alles, was es so in den ersten 10 Jahren nach der Erstzulassung nicht zu kaufen gab. Ein Café-Racer-Umbau mit modernen Stummellenkern, LED-Blinkern, Upside-down-Gabel und offenem Luftfilter fällt durch. Zeitgenössisches Zubehör wie Koffer, ein Lenker aus dem Katalog der 1970er oder ein Sportauspuff aus derselben Zeit geht durch, wenn er eingetragen ist. Moderne Reifen in Originalgröße und eine elektronische Zündung unter dem Deckel stören den Prüfer in der Regel nicht.

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