Zum Tag der Deutschen Einheit: vom Stau an der Grenze im November 1989 über den letzten Trabant im April 1991 bis zu den 30.155 Trabis, die heute ein Kennzeichen tragen
Patinamore-Redaktion · 04.10.2026 · aktualisiert 04.10.2026
Der Trabi und die Einheit in vier Sätzen
- Der Trabant ist das Auto, mit dem die DDR im November 1989 in den Westen fuhr. Am Tag nach der Grenzöffnung standen die Trabis an der Autobahn bei Helmstedt in einem Stau von über 40 Kilometern.
- Ein Jahr später war er unverkäuflich. Mit der D-Mark gab es ab Juli 1990 Westautos für alle, im selben Monat endete der Bau des Zweitakters.
- Am 30. April 1991 lief in Zwickau der letzte Trabant vom Band, Nummer 3.096.099.
- Heute fahren mehr Trabis als vor 7 Jahren. Am 1. Januar 2026 trugen 30.155 Trabant 601 ein Kennzeichen.
Der Trabant ist das Auto der deutschen Einheit. Im November 1989 fuhr die DDR mit ihm über die offene Grenze, ein Jahr später wollte ihn niemand mehr haben, und heute fahren wieder mehr Trabis als vor 7 Jahren. Zum Tag der Deutschen Einheit erzählen wir, wie ein Zweitakter aus Zwickau zum Bild einer Revolution wurde, und warum er das bis heute ist.
So rollte die DDR im November 1989 in den Westen
Am Abend des 9. November 1989 öffnete die DDR ihre Grenze. Am Tag danach stand der Trabant überall dort, wo es nach Westen ging. An der Autobahn bei Helmstedt und Marienborn, dem größten Übergang der innerdeutschen Grenze, reihten sich Trabis und Wartburgs zu einem Stau von über 40 Kilometern. Zeitzeugen erinnern sich an Autos, die mitten auf der Fahrbahn abgestellt wurden, weil ihre Fahrer die letzten Meter zu Fuß gingen.
In Berlin kamen die Trabis über die Bornholmer Straße. Schüler aus dem Wedding standen auf der Bösebrücke Spalier und hielten ein Plakat hoch, „Test the West“. Wer da im Trabant saß, fuhr zum ersten Mal in seinem Leben nach West-Berlin.
Auf diesen Trabant hatten die meisten lange gewartet. Viele Familien standen mehr als 10 Jahre auf der Liste, bevor ihr Wagen kam. Ende der Achtziger lagen Millionen unerfüllte Kaufverträge vor, und Sachsenring in Zwickau baute rund 150.000 Autos im Jahr.

Darum wurde aus dem Wunschauto ein Ladenhüter
Mit der Währungsunion am 1. Juli 1990 bekam die DDR die D-Mark. Über Nacht konnte jeder einen Gebrauchten aus dem Westen kaufen, mit Viertakter, Heizung und Stahlblech. Auf den Trabant wartete niemand mehr. Im selben Juli endete in Zwickau der Bau des Zweitakters 601, nach 26 Jahren.
Sachsenring hatte die Antwort schon fertig, und sie kam zu spät. Der Trabant 1.1 lief im Mai 1990 in Serie, mit dem 1,1-Liter-Vierzylinder aus dem VW Polo und 40 PS. Unter dem Blech war er ein moderneres Auto. Außen trug er die Karosserie von 1964, und gegen einen Golf vom Händler um die Ecke hatte er keine Chance. Größere Stückzahlen gingen nur noch nach Polen und Ungarn.
Am 30. April 1991 lief in Zwickau der letzte Trabant vom Band. Es war die Nummer 3.096.099. Volkswagen baute zu der Zeit schon wenige Kilometer weiter in Mosel den Polo.
Zurück blieben Autos, die fast nichts mehr wert waren. Anfang der Neunziger war ein gebrauchter Trabi für ein paar D-Mark zu haben.
Wie der Trabi zum Bild der Einheit wurde
Der Spott kam schnell, und mit ihm die Zuneigung. „Rennpappe“ hieß der Trabant im Westen, wegen seiner Karosserie aus Duroplast. Aber er war auch das Auto, in dem die Leute über die Grenze gefahren waren, und das vergaß niemand.
Die Mauer. 1990 malte die Berliner Künstlerin Birgit Kinder an die East Side Gallery einen Trabant, der durch die Mauer bricht, ohne eine Schramme. Sie nannte das Bild „Test the Best“. Der Trabi steht darin für eine Revolution, die friedlich durch die Mauer kam. 2009 benannte Kinder das Bild in „Test the Rest“ um, aus Ärger über den Umgang der Stadt mit der Galerie. Wer heute an der Mühlenstraße steht, sieht es noch immer.
Das Kino. Am 17. Januar 1991 kam „Go Trabi Go“ ins Kino. Wolfgang Stumph fährt darin mit Frau, Tochter und dem Trabant Schorsch von Bitterfeld nach Neapel, auf Goethes Spuren. Rund 1,46 Millionen Menschen sahen den Film, nur „Pappa ante portas“ war 1991 als deutscher Film erfolgreicher. Wer den Film heute sieht, sieht ein Land, das gerade lernt, wie groß Europa ist, und ein Auto, das trotzdem durchkommt.

Was vom Trabant heute fährt
Der Trabi ist zurück. Am 1. Januar 2026 hatten in Deutschland 30.155 Trabant 601 ein Kennzeichen, fast 12 Prozent mehr als 2019. Seit unserer ersten Zählung steigt der Bestand jedes Jahr, die Zahlen stehen in unserer Auswertung Trabant 601: Der Bestand wächst. Jeder Trabant ist heute älter als 30 Jahre und kann ein H-Kennzeichen bekommen, die Duroplast-Haut rostet nicht, und die Technik ist einfach genug für die eigene Garage.
- 1964Der Trabant 601 geht in Zwickau in Serie.
- 1989Am 10. November stehen Trabis bei Helmstedt über 40 Kilometer im Stau Richtung Westen.
- 1990Im Mai kommt der Trabant 1.1 mit VW-Motor, im Juli endet der Bau des Zweitakters.
- 1990Birgit Kinder malt „Test the Best“ an die East Side Gallery.
- 1991Am 17. Januar startet „Go Trabi Go“, am 30. April läuft der letzte Trabant vom Band.
- 202630.155 Trabant 601 tragen in Deutschland ein Kennzeichen.
In Berlin ist der Trabi sogar wieder ein Stadtauto. Bei der Trabi-Safari fahren Besucher in der Kolonne selbst, 75 Minuten lang, vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor und zur East Side Gallery. Über Funk erzählt ein Guide, was hier 1989 los war. Es hat etwas Schräges, wenn Touristen im Zweitakter über den alten Mauerstreifen knattern. Und etwas Schönes.

So hältst du die Geschichte deines Trabis fest
Wer heute einen Trabant fährt, fährt ein Stück Einheit. Was man vor dem Kauf wissen muss, steht in unserem Porträt Trabant 601. Wie er sich im Alltag schlägt, liest du in Der Trabant 601 als tägliches Auto. Und wo er rostet, obwohl er aus Duroplast ist, zeigt die Rostkarte Trabant 601.
Dein Trabi hat seine eigene Geschichte. Vielleicht ist er 1989 über die Grenze gefahren, vielleicht stand er dreißig Jahre in einer Scheune. Schreib sie auf, bevor sie verloren geht: Trag deinen Trabant in die Kartei ein und führe sein Fahrzeugbuch.

Foto: Niels de Wit from Lunteren, The Netherlands · CC BY 2.0
Quellen
- Autohaus: Vor 20 Jahren, letzter Trabi läuft vom Band
- firmenauto: Trabant, Geschichte eines deutschen Kultautos
- deutschland.de: Trabant, from a laughing stock to cult status
- Wikipedia: Trabant 1.1
- Wikipedia: Trabant
- Radio Free Europe/Radio Liberty: East Germany's Trabant
- Wikipedia: Go Trabi Go
- Wikipedia: Helmstedt–Marienborn border crossing
- Nordkurier: 35 Jahre Mauerfall, Ereignisse in DDR und BRD, die wir vergessen haben
- Deutsche Kinemathek, Wir waren so frei: An der East Side Gallery
- The German Way: Birgit Kinder's Trabi Wall Art in 1990 and 1995
- Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg: Bestand an Kraftfahrzeugen nach Herstellern und Typen, 1. Januar 2019 bis 2026
- Musement: Berlin compact 75-minute Trabi safari
- Expedia: Berlin 75-minute Trabi Safari
Was Leser zum Trabi und zur Einheit fragen
Warum ist der Trabant ein Symbol der deutschen Einheit?
Weil die DDR mit ihm über die offene Grenze fuhr. In den Tagen nach dem 9. November 1989 zeigten Fernsehen und Zeitungen Kolonnen von Trabis an den Grenzübergängen, an der Autobahn bei Helmstedt stauten sie sich über 40 Kilometer. Birgit Kinder malte 1990 an die East Side Gallery einen Trabi, der durch die Mauer bricht. Das Bild hängt dort bis heute.
Wann wurde der letzte Trabant gebaut?
Am 30. April 1991 in Zwickau. Es war der Trabant mit der Nummer 3.096.099. Der Zweitakter 601 war schon im Juli 1990 ausgelaufen, gebaut wurde zuletzt nur noch der Trabant 1.1 mit dem 1,1-Liter-Viertakter von Volkswagen.
Warum wollte 1990 niemand mehr einen Trabant?
Weil die Währungsunion am 1. Juli 1990 Westautos für alle erreichbar machte. Vorher warteten viele mehr als 10 Jahre auf ihren Trabant, danach standen Gebrauchtwagen aus dem Westen zum Verkauf. Der Trabant 1.1 mit VW-Motor kam im Mai 1990 und damit zu spät. Er trug die Karosserie von 1964 und wurde nach rund einem Jahr eingestellt.
Wie viele Trabant fahren heute noch?
Am 1. Januar 2026 hatten in Deutschland 30.155 Trabant 601 ein Kennzeichen, so das Kraftfahrt-Bundesamt. Das sind fast 12 Prozent mehr als 2019, und der Bestand wächst seitdem jedes Jahr.
Worum geht es im Film Go Trabi Go?
Eine Familie aus Bitterfeld fährt mit ihrem Trabant Schorsch nach Neapel, auf den Spuren von Goethes Italienischer Reise. Der Film von Peter Timm mit Wolfgang Stumph kam am 17. Januar 1991 ins Kino und hatte rund 1,46 Millionen Zuschauer.
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