Ein Spoiler aus Wolfsburg, eine Querblattfeder aus Kalifornien, Dämpfer aus den Niederlanden und Karosserien aus Wülfrath und Berlin: was Käfer und Co. damals um die Kurve und in Form brachte
Patinamore-Redaktion · 05.10.2026 · aktualisiert 05.10.2026
Fahrwerk und Karosserie von damals in vier Sätzen
- Kamei aus Wolfsburg, gegründet 1952 von Karl Meier, baute mit dem Tiefensteuer einen Frontspoiler für den Käfer, in Serie ab 1972.
- EMPI verkaufte 1958 einen vorderen Stabilisator für den Käfer, ein Jahr bevor VW selbst einen einbaute, und den Camber Compensator gegen das Einknicken der Pendelachse.
- Mit Scheibenbremsen ab 1965 im Typ 3 und ab 1966 im Käfer 1500 begann der Umbau auf Porsche-Bremsen, die sich laut Wikipedia ohne Schwierigkeiten einbauen ließen.
- Hebmüller baute ab 1949 das zweisitzige Käfer-Cabrio, nach einem Brand entstanden statt 2.000 nur 696 Stück. Rometsch in Berlin machte aus dem Käfer Sportwagen wie den Lawrence.
Mehr Leistung allein macht aus einem Käfer kein schnelles Auto. Die Pendelachse knickt in der Kurve ein, die Trommelbremsen kommen an ihre Grenze, und bei hohem Tempo wird die Vorderachse leicht. Also schraubten Tuner an allem, was nicht Motor war: Spoiler, Stabilisatoren, Dämpfer, Bremsen. Und manche bauten gleich eine neue Karosserie auf das Fahrgestell. Teil 3 unserer Serie stellt die Firmen vor, die damals dafür standen.
Kamei fing im Innenraum an und kam zum Spoiler
Vom Kissen zur Lenkradhülle
Karl Meier war Konstrukteur für die Innenausstattung bei Volkswagen, bevor er 1952 in Wolfsburg seine eigene Firma gründete. Der Name setzt sich aus Karl und Meier zusammen. Am Anfang stand Zubehör für den Innenraum des Käfers, etwa ein Kissen für den Nacken, das die Wikipedia als Vorläufer der Kopfstütze nennt. Ab 1964 kamen die Lenkradhüllen dazu, bekannt unter dem Namen AVUS. Mit Spoilern und Lenkradhüllen machte Kamei laut AUTO ZEITUNG sein Geschäft.
Das Tiefensteuer
Das bekannteste Kamei-Teil für den Käfer hieß Tiefensteuer. Es war ein Frontspoiler, der an die Stelle der vorderen Stoßstange trat und über 100 km/h mehr Anpressdruck auf die Vorderachse bringen sollte. Laut Wikipedia zeigte Kamei es 1953 auf dem Genfer Salon. In Serie kam der Käfer-Spoiler 1972, so erzählt es Thomas Meier von Kamei. Das Kamei X1, an das viele zuerst denken, ist jünger und gehört an Scirocco und BMW, nicht an den Käfer.
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So hielt EMPI die Pendelachse am Boden
Stabilisator und Camber Compensator
EMPI aus Riverside in Kalifornien verkaufte 1958 einen vorderen Stabilisator für den Käfer. VW baute ab 1959 selbst einen in die Exportkäfer ein. Bekannter wurde der Camber Compensator, eine Querblattfeder an der Hinterachse. Sie wirkte gegen das Einknicken der Pendelachse, bei dem sich das kurveninnere Hinterrad in schnellen Kurven schräg stellt. Dan Gurney fuhr 1963 einen Käfer mit Camber Compensator in Nassau. Ab August 1966 baute VW eine eigene Ausgleichsfeder hinten ein.
Die GTV-Pakete
Ab 1966 verkaufte EMPI ganze Pakete unter dem Namen GTV, in vier Stufen. Laut sebeetles kostete das Mk I 437,20 Dollar, mit Stabilisator, Camber Compensator, Sportauspuff und Chromrädern. Das Mk III brachte die BRM-Magnesiumräder aus Teil 2, das Mk IV einen Bremskraftverstärker und Sportdämpfer von Boge, für 1.238,75 Dollar.

Dämpfer und Bremsen kamen von Koni, Boge und Porsche
Koni und Boge
Koni aus Oud-Beijerland in den Niederlanden ging auf einen Betrieb für Pferdegeschirr zurück, den A. de Koning 1857 gründete. Ab 1932 baute die Firma Stoßdämpfer, 1945 kam der einstellbare Teleskopdämpfer, 1972 übernahm ITT. Koni-Dämpfer für den Käfer gibt es bis heute, etwa für die Vorderachse bis Baujahr 1965. Boge aus Eitorf lieferte die Sportdämpfer im EMPI GTV Mk IV.
Scheibenbremsen und Porsche-Teile
Der Typ 3 bekam im August 1965 Scheibenbremsen vorn, der Käfer 1500 im August 1966. Wer mehr wollte, griff zu Porsche. Porsche-Räder und Porsche-Bremsanlagen ließen sich laut Wikipedia ohne Schwierigkeiten in den Käfer einbauen. Daraus wurde später, im Käfer-Cup der Neunziger, der German Look mit Bremsen vom Porsche 944.
Was Hebmüller und Rometsch aus dem Käfer machten
Hebmüller aus Wülfrath
Die Karosseriefabrik Hebmüller, gegründet 1889, baute ab 1949 ein zweisitziges Cabriolet auf dem Käfer, den Typ 14A. Volkswagen bestellte 2.000 Stück. Im Juli 1949 brannte das Werk, danach entstanden nur noch 696 Wagen, die letzten bei Karmann.

Rometsch aus Berlin
Rometsch aus Berlin-Halensee, gegründet 1924, baute laut Wikipedia auf dem Käfer-Fahrgestell eigene Sportwagen, den Beeskow und den Lawrence. Für den Lawrence von 1957 gab es auf Wunsch ein Lenkrad von Petri. Weil VW-Chef Heinrich Nordhoff die Lieferung der Fahrgestelle stoppte, endete die Sportwagenzeit von Rometsch 1961.
Darum braucht jedes Zubehörteil einen Beleg
Ein Kamei-Spoiler, ein EMPI-Stabilisator oder ein Petri-Lenkrad gelten beim H-Kennzeichen als zeitgenössisch, wenn sie in der Gebrauchsphase des Autos üblich waren. Der TÜV Hanse rechnet dafür die ersten 10 Jahre nach der Erstzulassung, der TÜV Rheinland spricht von bis zu rund 15 Jahren. Wer ein Teil von damals verbaut, sollte den Beleg gleich mit aufheben: einen Katalog, ein altes Gutachten oder einen Zeitschriftenartikel. Mehr dazu steht in H-Kennzeichen für umgebaute Käfer.
Die Serie: Teil 1, Okrasa, TDE, Judson und die Motoren, Teil 2, Felgen von BRM, EMPI, Lemmerz und ATS, und Teil 4, Tuning für den Bus.
Trägt dein Käfer einen Kamei-Spoiler oder ein EMPI-Fahrwerk? Trag ihn in die Kartei ein und leg die Belege gleich ins Fahrzeugbuch.

Foto: Annie Spratt · Unsplash License
Quellen
- Wikipedia: Kamei
- Unternehmeredition: Mit schnittigen Dachboxen weiterhin am Markt
- AUTO ZEITUNG: Kamei Golf, Classic Cars
- Heritage Parts Centre: EMPI, a history of high performance
- sebeetles: EMPI GTV Mk I bis IV
- Wikipedia: Engineered Motor Products
- Wikipedia: VW Käfer
- Wikipedia: VW Typ 3
- Wikipedia: Koni B. V.
- hobbyDB: Koni
- Mecatechnic: Koni-Stoßdämpfer vorn für den Käfer bis 1965
- Wikipedia: Hebmüller
- Volkswagen Newsroom: Käfer 1100 Cabriolet Hebmüller
- Wikipedia: Rometsch
- auto motor und sport: Gefährdet Oldtimer-Tuning das H-Kennzeichen?
- kfz-auskunft.de: TÜV Rheinland zum H-Kennzeichen
Was Leser zu Fahrwerk und Karosserie von damals fragen
Was ist das Kamei-Tiefensteuer?
Ein Frontspoiler für den Käfer, der an die Stelle der vorderen Stoßstange trat. Er sollte über 100 km/h mehr Anpressdruck auf die Vorderachse bringen. Laut Wikipedia zeigte Kamei ihn 1953 auf dem Genfer Salon, in Serie verkaufte Kamei den Käfer-Spoiler ab 1972.
Was macht ein Camber Compensator?
Er hält die Hinterräder des Käfers gerader auf der Straße. Die Pendelachse knickt in schnellen Kurven ein, das kurveninnere Rad stellt sich schräg. Die Querblattfeder von EMPI wirkte dagegen. VW baute ab August 1966 eine eigene Ausgleichsfeder hinten ein.
Was war das EMPI GTV?
Ein Sportpaket für den Käfer, ab 1966 in vier Stufen. Das Mk I kostete laut sebeetles 437,20 Dollar und brachte Stabilisator, Camber Compensator, Sportauspuff und Chromräder. Das Mk IV mit Bremskraftverstärker und Boge-Sportdämpfern kostete 1.238,75 Dollar.
Wie viele Hebmüller-Cabrios gibt es?
Gebaut wurden 696. Volkswagen hatte 2.000 bestellt, nach einem Großbrand im Juli 1949 kam Hebmüller nicht mehr auf die Stückzahl. Die letzten Wagen entstanden bei Karmann.
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