Was man über den Ford Escort RS Cosworth wissen muss
- Der Escort RS Cosworth ist ein Sierra Cosworth 4x4 mit gekürztem Radstand unter einer Escort-Karosserie: 2 Liter Cosworth-Turbo längs eingebaut, permanenter Allrad, 227 PS. Mit dem normalen Escort teilt er Türen und Dach.
- 7.145 Stück baute Karmann in Rheine von Februar 1992 bis Januar 1996, die ersten 2.500 als Homologationsserie für die Gruppe A.
- Bis Mitte 1994 der Big Turbo mit Garrett T3/T04B und Weber-Marelli, danach der Small Turbo mit T25 und Ford-Steuerung für weniger Turboloch.
- 8 Siege in der Rallye-Weltmeisterschaft, 200 Monte-Carlo-Sondermodelle, und ein Heckflügel, der den Wagen zum ersten Serienauto mit Abtrieb an beiden Achsen machte.
Ford brauchte 1992 ein Auto für die Gruppe A der Rallye-Weltmeisterschaft, und der Sierra war zu lang und zu schwer. Also nahmen die Ingenieure um Rod Mansfield und John Wheeler die Bodengruppe des Sierra Cosworth 4x4, kürzten sie um rund 6 Zentimeter und stellten die Karosserie eines Escort darauf. Stephen Harper zeichnete bei MGA Developments in Coventry die Form, Karmann in Rheine baute die Bleche und montierte die Wagen. Das Projekt hieß ACE14, A für die Gruppe A, CE14 für den Escort Mk5. Am 19. Februar 1992 begann die Produktion, im Mai stand der Wagen beim Händler, für 61.300 D-Mark so viel wie 2 Golf III GT.
Was den Escort RS Cosworth ausmacht
Der Motor von Cosworth und der Allrad von Ferguson
Längs eingebaut, wo beim normalen Escort ein querliegender Vierzylinder sitzt, arbeitet der Cosworth YB: 1.993 Kubikzentimeter, 16 Ventile, Garrett-Turbolader mit Ladeluftkühler, 227 PS bei 6.250 Touren und 304 Newtonmeter. In deutschen Papieren stehen 220 PS, weil die Typzulassung anders maß. Dahinter das Fünfganggetriebe MT75 und ein Verteilergetriebe mit Planetenmitteldifferenzial, das 34 Prozent der Kraft nach vorn und 66 nach hinten schickt, mit Viskokupplungen in der Mitte und an der Hinterachse. 5,7 Sekunden auf 100 nach Werksangabe, 232 Kilometer pro Stunde mit Flügel und 237 ohne.
Der Flügel, der Abtrieb machte
Der doppelte Heckflügel war kein Schmuck: 190 Newton Abtrieb hinten und 45 vorn bei 180 Kilometern pro Stunde, der erste Serienwagen mit Abtrieb an beiden Achsen. Ab 1994 konnte man ihn abwählen, und wer es tat, bekam 5 Kilometer pro Stunde Spitze dazu und ein Auto, das heute weniger wert ist. 3 Linien gab es: Motorsport in Diamond White ohne Radio und Schiebedach, Standard, und Lux mit Recaro-Sitzen, Klimaanlage und beheizbarer Frontscheibe.

Wie der Escort zur Legende wurde
2 Motoren, 7.145 Autos, 200 Monte Carlo
Die ersten 2.500 Wagen bis zum 1. Januar 1993 waren die Homologationsserie, alle mit einer Wassereinspritzung ohne Funktion unter der Rücksitzbank, weil das Reglement sie verlangte. 1992 allein entstanden 3.448 Autos, danach gut 1.000 im Jahr. Im Frühsommer 1994 wechselte Ford vom großen Garrett T3/T04B auf den kleinen T25 und von Weber-Marelli auf die eigene Steuerung EEC IV: weniger Turboloch, mehr Alltag. Zum Sieg von François Delecour bei der Rallye Monte Carlo 1994 legte Ford 200 Sondermodelle in Ash Black, Mallard Green und Jewel Violet auf, mit OZ-Rädern und Recaro-Sitzen mit Motorsport-Stickerei.
Sonderprüfung und Diebstahlstatistik
1993 gewann der Escort RS Cosworth 5 Läufe der Weltmeisterschaft, 1994 Monte Carlo und die 1000 Seen, 1996 Indonesien, 8 Siege in der Gruppe A und 2 mit dem Escort WRC danach, ein Titel blieb ihm versagt. In Großbritannien war er Mitte der 90er kurz das meistgestohlene Auto des Landes, mit Versicherungsprämien, die Jeremy Clarkson auf 20.000 Pfund bezifferte. Am 12. Januar 1996 endete die Produktion, weil der Wagen die neuen Grenzwerte für das Vorbeifahrgeräusch verfehlte.
Das bleibt vom Escort RS Cosworth
7.145 Autos, viele davon gecrasht, getunt oder aus Rohkarossen aufgebaut. Ein echter Karmann-Wagen mit der Fahrgestellnummer WF0BXXGKAB, Serienlader und Historie ist heute ein Sammlerstück zwischen 55.000 und 75.000 Euro, ein Monte Carlo oder ein Auto mit wenigen 1.000 Kilometern erzielt mehr. Der Cosworth Club Deutschland trifft sich zu Pfingsten in Fulda, die Teile für den YB liefern britische Spezialisten, die Bleche liefert niemand mehr.
Was heute beim Escort RS Cosworth zählt
- Echtheit: Fahrgestellnummer, Karmann-Schild am Schlossträger und Motornummer müssen zusammenpassen; Replikate aus normalen Escorts und aufgebaute Rohkarossen sind häufig.
- Rost hinter dem Bodykit, an Schwellern, Radläufen, Längsträgern und Federbeindomen.
- Originalität: Serienladedruck, blauer oder grauer Ventildeckel passend zum Baujahr, keine Chips.
Der Escort RS Cosworth ist das Rallyeauto, das Ford bauen musste, um gewinnen zu dürfen. In der Kartei steht er als Sierra mit Escort-Namen, und als der Flügel, den jedes Kind kennt.

Foto: Calreyn88 · CC BY-SA 4.0
Quellen
Was Leser über den Ford Escort RS Cosworth fragen
Warum heißt der Escort RS Cosworth ein Sierra?
Weil unter dem Blech die um rund 6 Zentimeter gekürzte Bodengruppe des Sierra Cosworth 4x4 steckt, mit dem längs eingebauten Cosworth-YB-Motor, dem MT75-Getriebe und dem Allrad mit 34 zu 66 Prozent Kraftverteilung. Der Escort Mk5 lieferte Türen, Dach und den Namen; Karmann sprach von 50 Prozent neuen Blechteilen.
Was unterscheidet Big Turbo und Small Turbo?
Der Big Turbo bis Mitte 1994 trägt den großen Garrett T3/T04B auf dem YBT-Motor mit Weber-Marelli-Steuerung: wenig unter 3.500 Touren, darüber der Schlag. Der Small Turbo ab 1994 hat den kleinen T25 auf dem YBP mit Ford EEC IV, rund 220 PS und Drehmoment von unten. Der blaue Ventildeckel gehört zum ersten, der graue zum zweiten.
Warum endete die Produktion 1996?
Der Escort RS Cosworth verfehlte die neuen Grenzwerte der EU für das Vorbeifahrgeräusch. Am 12. Januar 1996 lief der letzte Wagen in Rheine vom Band, 68 Stück entstanden in dem Jahr.












